Die Firma Kimmeridge will’s wissen. Schon vor über drei Jahren hatte sie ihr Interesse am Gifhorn Trog angemeldet, einer Formation im östlichen Niedersachsen, die nach Kimmeridge-Ansicht ölhöffig ist. Jetzt hat sie dort die Aufsuchungserlaubnis erhalten und so ihr Areal komplettiert, nachdem sie sich schon den Bereich Meckelfeld einverleibt hatte, der zum Kimmeridge-Glück noch gefehlt hatte (und der bisher BEB-Exxon „gehört“ hatte, wir berichteten).

Das neue Gebiet zieht sich von Salzgitter über die Braunschweiger Stadtgrenze bis Neustadt a.R. und Garbsen nördlich von Hannover. Es grenzt an die Aufsuchungsfelder Steinhude (ENGIE), Schaumburg Verkleinerung (BEB) und Celle (DEA). Wenige Kilometer östlich des Aufsuchungsfeldes liegt der Flecken Schandelah, wo im Dritten Reich KZ-Häftlinge im Tagebau Ölschiefer gewonnen hatten.

Die Aufsauchungserlaubnis wird vom LBEG mit den bekannten Beschwichtigungen versehen, dass damit keinerlei Erlaubnis für aktive Untersuchungsschritte wie seismische Untersuchungen oder Probebohrungen verbunden seien, die jeweils gesondert beantragt werden müssten. Aus unseren Gesprächen und dem Briefwechsel mit dem LBEG wissen wir, dass das reine Augenwischerei ist. Denn wenn die Aufsuchungserlaubnis erteilt ist, können weitere Anträge wie z.B. auf Probebohrung so gut wie gar nicht abgelehnt werden. Nur wenn nach der Erlaubniserteilung neue Erkenntnisse gewonnen wurden über die finanzielle Bonität bzw. Schieflage eines Unternehmens oder wenn der Geschäftsführer silberne Löffel geklaut hat, kann man hier Ablehnungen aussprechen. Die Aufsuchungserlaubnis ist also der entscheidende Türöffner.

Das LBEG weist darauf hin, dass die Entscheidung für Kimmeridge in einem Wettbewerb mit einem anderen Interessenten gefallen sei. Kimmeridge habe nun Zuschlag erhalten – aber auf welcher Grundlage? Frühere Erlaubnisse für Kimmeridge wurden ausgesprochen aufgrund einer Patronatserklärung der Firma Alliance Bernstein (dieser Wertpapier-Heuschrecke gehörte Kimmeridge damals). Zwischenzeitig wurden die verschiedenen Kimmeridge-Gesellschaften im Portfolio des russischen Ölkonzerns Lukoil geführt. Daraus sind sie mittlerweile wieder verschwunden. Es bleibt unklar, wem Kimmeridge jetzt gehört (und wer die erforderlichen Bürgschaften stellt). Entsprechende Anfragen der BI Kein Fracking in der Heide an die Firma Kimmeridge bzw. deren Geschäftsführer N. MacMahon sowie an das LBEG sind bisher ohne Antwort geblieben. Wir ermitteln weiter.

(Text Ingo Engelmann)

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