Die verschachtelten Firmen

Die Firmen, mit denen wir es im Themenfeld Gasbohren im Kreis Harburg zu tun haben, sind oft unbekannt. Ein Überblick wird hier versucht.

Es beginnt im Feld Oldendorf

Die Firma Blue Mountain Exploration hat am 1.1.2013 die Aufsuchungserlaubnis für das Feld Oldendorf erhalten, das sich je zur Hälfte im Kreis Harburg und im Kreis Lüneburg erstreckt (ca. 850 km²). Diese Firma war nie richtig aufzufinden, vor allem gab es im Internet überraschenderweise nur sehr karge Hinweise, kein Internetauftritt, keine links, fast nichts. Und nun gibt es sie womöglich gar nicht (mehr). Überall, wo Blue Mountain draufstand, ist jetzt Kimmeridge Energy Management LLC drin. Diese Firma hat ihren Sitz in New York und besteht seit 2012. Sie betreibt Erkundungen von Öl- und Gasfeldern in USA und Deutschland (Utah, Wyoming, Illinois, Niedersachsen). Es gibt eine Tochterfirma Roxanne, die bohrt und fördert (wirkt eher wie der operative Arm) und eine namens Kimmeridge Energy Advantage Fund – das ist ein private equity fund, dient also der Gewinnung von Investoren und ist darauf ausgerichtet, schnell hohe Renditen einzufahren. Bis heute hat niemand eindeutig Stellung bezogen, ob die Blue Mountain von Kimmeridge aufgekauft und übernommen wurde, ob die Blue Mountain eine Tochter von Kimmeridge ist oder nur ein Briefkasten in Lingen, wo ein Anwalt die Firma Blue Mountain angeblich vertritt, einen dann aber an Kimmeridge weiter verweist.

Der Leiter der Fonds-Sparte unter dem Kimmeridge-Dach heißt Michael Sedoy und war bis Ende 2012 damit befasst einen anderen private equity fund namens Diamondback abzuwickeln. Diese Fondsgesellschaft hatte sich in Insiderhandel verstrickt und musste 3 Millionen Dollar Strafe zahlen sowie 6 Millionen in außergerichtlichen Vergleichen. Daraufhin verschwand sie vom Markt, aber nicht Herr Sedoy, der jetzt seine ganze Erfahrung bei Kimmeridge einbringt.

Die Interessen von Kimmeridge außerhalb der USA vertritt Neil McMahon in London. Er ist promovierter Geologe und wurde von der BI „Kein Fracking in der Heide“ angeschrieben mit der Frage nach Blue Mountain Exploration (von der wir da noch glaubten, es gäbe sie vielleicht wirklich). Überraschenderweise antwortete er in einem zweiseitigen Schreiben, aus dem wir aber nicht zitieren dürfen (copyright). Es steht aber auch nichts so Weltbewegendes drin, diese Geheimniskrämerei ist also ziemlich überflüssig und wirkt etwas albern. Mit Herrn McMahon werden wir vermutlich in den nächsten Monaten auch ein persönliches Gespräch führen.

Die Firma Kimmeridge ist ihrerseits eine hundertprozentige Tochter von Alliance Bernstein. Dabei handelt es sich um eine weltweite agierende Investment-Firma, die seit den sechziger Jahren mehr oder weniger erfolgreich beim Geldverdienen hilft. Vor wenigen Jahren hatte die Firma erhebliche Probleme durch ihre massiven Verwicklungen in die Pleite der Lehmann Brothers sowie der Investment Fonds Freddie Mac und Fanny Mae (Angaben aus wikipedia). Alliance Bernstein berichtet aktuell über innerbetriebliche Umstrukturierungen, was üblicherweise die Auswirkungen unbefriedigend verlaufender Geschäfte beschreibt.

Die Mehrheit der Anteile an Alliance Bernstein hält der französische AXA-Konzern. Das ist vor der deutschen Allianz und der italienischen Generali der größte europäische Versicherungskonzern. Er gehört mit zu den acht weltgrößten Versicherern, die vor kurzem durch das Financial Stability Board der G20-Konferenz als „systemrelevant“ eingestuft wurden – das heißt, im Falle einer finanziellen Schieflage müssen diese Unternehmen von staatlicher Seite stabilisiert werden (wie bei der „Bankenrettung“), da ansonsten unabsehbare volkswirtschaftliche Folgeschäden zu befürchten sind.

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http://www.alliancebernstein.com

Die Aufsuchung im Feld Oldendorf

Die Aufsuchungserlaubnis für das Feld Oldendorf ist an die Firma Blue Mountain Exploration ergangen. Die Firma Kimmeridge führt die Geschäfte der Blue Mountain (teilt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie mit). Wenn die Firma Kimmeridge die Blue Mountain aufgekauft hat, ist sie Rechtsnachfolger und es muss insofern eine erneute Überprüfung nach den Bundesberggesetz geben: ist diese Firma fachlich und finanziell in der Lage, das beantragte Vorhaben durchzuführen? Da alle Beteiligten hier informationell mauern, scheint es sich um ein umstrittenes Thema zu handeln. Wir fragen uns: ist es der Firma Kimmeridge nur lästig, das Genehmigungsverfahren noch einmal laufen zu lassen? Oder haben sie etwas zu verbergen? Soll zum Beispiel im Unklaren bleiben, ob die Firma Kimmeridge überhaupt an Erdgasvorräten interessiert ist – oder aber neue Erdölreservoirs sucht, in bisher vernachlässigten Bodenformationen oder mit Hilfe neuer (und nicht ausgereifter) Technologien? Kündigt sich eine Serie neuer Aufsuchungsanträge ab? Der Präsident des LBEG, Herr Pospich, hielt sich am Telefon bezüglich der Firma Kimmeridge so bedeckt, dass man sich fragt, welche gemeinsamen Interessen das LBEG und Kimmeridge eigentlich vertreten – und wo die Interessen der Bevölkerung dabei bleiben.

Da es sich bei Kimmeridge um eine hier in Deutschland neu ins Geschäft einsteigende Firma handelt, muss sie im Gegensatz zu den „Alteingessenen“ wie Exxon, RWE und GDF Suez alle Archivdaten von denen erbitten, die schon länger hier arbeiten. Bohrungen sind im Aufsuchungsverfahren enthalten (eine senkrecht, eine waagerecht), aber wohl ohne Fracktechnik. Seismische Erkundungen werden stattfinden.

Wir haben als BI Einsicht in die Erlaubnisakte verlangt. Das wird uns vom LBEG wohl grundsätzlich nicht verwehrt. Aber das Verfahren zur Einsichtnahme in die Aufsuchungserlaubnis zieht sich hin, da die Firma da selbst mit bestimmen kann, welche Passagen sie geschwärzt haben will („Betriebsgeheimnis“). Dieser Prozess der Verständigung darüber, welche Absätze der Akte als Betriebsgeheimnis geschützt sind und welche nicht, dürfte Monate in Anspruch nehmen.

Die Aufsuchung im Feld Sittensen

Es gibt auch im Westen des Kreises Harburg ein Aufsuchungsgebiet, das herüberlappt aus dem Kreis Rotenburg: Die kanadische Firma PRD Energy hat hier eine Erlaubnis, das „Feld Sittensen“ (von Zeven bis Wistedt) zu erkunden. Im Kreis Harburg ist davon eine Fläche betroffen, die von Heidenau bis Wistedt und Königsmoor reicht (Fläche im Kreis Harburg ca. 50 km²). Außerdem liegt im Rotenburger Teil des Feldes Sittensen eine kleine Fläche, für die eine alte Erdöl-Förderderlizenz vorliegt. Hier wurde bis in die siebziger Jahre, an einer Stelle sogar bis 1993 Öl gefördert – und es kann morgen wieder losgehen. Dieses Feld liegt direkt an der Autobahn A1 zwischen den Flecken Sothel und Hatzte.

Die Firma PRD ist in Kanada gegründet worden, um in Deutschland Öl- und Gasvorkommen zu erkunden und zu erschließen. Sie kooperiert mit der GDF Suez und mit Exxon. Weitere Erkundungs- und Förderlizenzen hält PRD in Hohenassel, Broistedt, Mölme, Oberg, Volkensen and Prasdorf (Förderung) und in den Regionen Steinhorst, Wittmund, Sittensen, Ülzen, Ostrohe, Schwarzenbek und Südbayern Nord (Erkundung).
http://www.prdenergy.de

Stand 25. Juli 2013
Ingo Engelmann
Sprecherrat „Kein Fracking in der Heide“
klangengel@t-online.de

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