BI befragt die neuen Ölbohrer im Landkreis Harburg

Die BI „Kein Fracking in der Heide“ hat eine Reihe von Fragen an die neue Aufsuchungsfirma RDG Niedersachsen gestellt, die die vier niedersächsischen Aufsuchungsfelder von Kimmeridge Energy aufgekauft hat. Dazu gehören auch die Felder Oldendorf Verkleinerung (überwiegend im Landkreis Harburg gelegen) und das Feld Lüneburg Verkleinerung (zu einem kleinen Teil im Kreis Harburg).Wir dokumentieren das Schreiben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit 2013 setzt sich die BI „Kein Fracking in der Heide“ mit den Plänen auseinander, im Landkreis Harburg weitere Öllager zu erkunden und zu fördern.  Das erste Jahr  war schwerpunktmäßig von der Herausforderung geprägt, herauszufinden, wer hinter dem Lizenznehmer „Blue Mountain Exploration“ stand. Dann war klar, dass wir es mit der Kimmeridge Energy LLC zu tun haben und mit ihrer deutschen Tochter Kimmeridge GmbH. Ein Briefwechsel mit Herrn McMahon sowie Gespräche mit ihm und Herrn Vieten fanden bis 2015 statt, seitdem war eine Kontaktaufnahme mit Kimmeridge nicht mehr möglich. Unsere Briefe wurden nicht mehr beantwortet.

Mit Interesse haben wir nun Kenntnis davon genommen, dass die Kimmeridge GmbH mit vier Aufsuchungserlaubnissen in Niedersachsen in den Besitz der RDG übergegangen ist. Wir wenden uns an Sie, weil zahlreiche Fragen bezüglich des Arbeitsprogramms und der weiteren Planungen offen geblieben sind.  Wir möchten Sie bitten, uns Ihren Arbeitsplan zur Kenntnis zu geben, um den Bürgern des Landkreises Harburg Aufschluss über die offenen Fragen geben zu können:

  • Wie gestaltet sich der zeitliche Ablauf der Aufsuchung? Im ursprünglichen Arbeitsplan (vorgelegt von Alliance Bernstein) waren für das Jahr 2015 seismische Untersuchungen vorgesehen, die unseres Wissens nicht stattgefunden haben. Für 2016 war eine Explorationsbohrung geplant, auch diese gab es nicht. 2017 nun soll eine Horizontalbohrung stattfinden (aus dem Arbeitsprogramm geht nicht hervor, ob dabei  Fracking-Techniken eingesetzt werden oder nicht). Wie sieht jetzt Ihr aktuelles Arbeitsprogramm aus? Wo werden Sie die Exploration aufnehmen? Sind mikrobiologische Untersuchungen geplant?
  • Plant RDG eine transparentere Firmenpolitik als Kimmeridge? Diese hatten im Arbeitsplan zwar davon gesprochen, die Öffentlichkeit über Ergebnisse zu informieren und Explorationspläne zu erläutern, aber das hatte nie stattgefunden. Es gab lediglich eine Podiumsdiskussion im Kreis Harburg, bei der die versprochenen Informationen aber nicht gegeben wurden.
  • Die Wasservorkommen bei uns in Niedersachsen sind hohen Belastungen aus Bohrlochbergbau und Kavernenspeichern, Chemikalieneintrag (auch Mikro-Plastik, Antibiotika etc.), intensiver Beregnung, hohem Gülleeintrag und dem hohem Wasserverbrauch bei der Öl- und Gasförderung ausgesetzt. Im Landkreis Harburg sind wir besorgt über den Schutz der eiszeitlichen Rinnen, die unser hochwertiges Trinkwasser speichern und bei jeder Bohrung durchlöchert werden. Welche Maßnahmen zum Wasserschutz und dessen Monitoring planen Sie bei Ihren Aktivitäten?
  • Wie begründen Sie angesichts der spätestens seit Paris regierungsamtlichen Zielsetzung einer klimaschonenden Energiewende die weitere Förderung fossiler Energieträger – und wie gehen Sie mit der moralischen und finanziellen Verantwortung um für Schäden an Gebäuden, Grund und Boden, Wasser und Luft sowie der Gesundheit der Bevölkerung?

Mehrere Versuche anderer Firmen, im Norddeutschen Raum seismologische Untersuchungen durchzuführen, scheiterten am Widerstand der Bevölkerung und der Kommunen. Auch im Landkreis Harburg haben sowohl der Kreistag als auch kommunale Räte Beschlüsse gefasst, dass der Aufsuchungsfirma das Betreten öffentlicher Liegenschaften nicht erlaubt werde. Auf mehr als einem Dutzend Informationsveranstaltungen der BI, an denen seit 2013 jeweils zwischen vierzig und einhundertzwanzig Bürger teilgenommen haben, wurde die Ablehnung weiterer Ölförderung im Landkreis sowie die Skepsis gegenüber den bereits bestehenden Förderanlagen der Firma Engie deutlich. Mehr als 10.000 Bürger des Landkreises Harburg haben sich auf der Unterschriftenliste der BI gegen Fracking und fossile Energieträger ausgesprochen und eine Energiewende gefordert.  Wir haben das in unseren Gesprächen mit dem Landesbergamt und dem niedersächsischen Wirtschaftsminister sowie den zuständigen Bundestagsabgeordneten immer wieder nachdrücklich vorgebracht.  Gern würden wir Ihre Haltung dazu kennen lernen.

Zu einem zeitnahen Gespräch mit Vertretern Ihrer Firma sind wir jederzeit gern bereit. Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass wir uns der Transparenz verpflichtet haben und alle unsere Informationen der Bevölkerung zur Kenntnis geben.

Mit freundlichen Grüßen

für den Sprecherrat der BI

Die Firma Blue Mountain Exploration LLC alias Kimmeridge Energy alias Kimmeridge GmbH hatte sich zunächst ein Jahr lang geweigert, das Arbeitsprogramm (Grundlage der Lizenzerteilung) der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dann war nur eine überaus verstümmelte, weitgehend geschwärzte Fassung veröffentlicht worden. Darin standen einige wenige Hinweise auf geplante Schritte, die durchweg so nicht eingehalten wurden. Die Firma hatte im Arbeitsprogramm Versprechen z.B. bezüglich der Information der Bevölkerung gegeben, die überwiegend gebrochen wurden. Man kann ja nicht automatisch davon ausgehen, dass sich alle Firmen genauso unseriös verhalten. Es müssten nun aber von seiten der RDG Niedersachsen handfeste Gründe angeführt werden, um das zunehmend gewachsene Misstrauen gegenüber Ölfirmen zu verändern.

(Ingo Engelmann)

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