Kein Fracking in der Totenstatt

GENUK e.V. lädt BI „Kein Fracking in der Heide“ ein, um in Amelinghausen zu informieren.
Ort: Lopautalhalle, Zum Lopautal 16, 21385 Amelinghausen
Zeit: Dienstag, 21.10.2014, 19.30 Uhr

Amelinghausen liegt mitten zwischen Buchholz und Uelzen, zwischen Lüneburg und Soltau. Der Ort ist umgeben von „wirtschaftlich-strukturellem Niemandsland“, wie es in einer kommunalen Präsentation zur Zukunft der Region formuliert ist (1). Gleich nebenan liegt das prähistorische Gräberfeld der „Totenstatt Oldendorf“, das als Namensgeber für einen Erdöl-Claim dient: Amelinghausen liegt nämlich inmitten des Aufsuchungsfeldes Oldendorf, das sich von der Elbe bis in den Kreis Uelzen erstreckt und zur Zeit von der amerikanischen Firma Kimmeridge bzw. deren deutscher Tochter auf Erdgas- und Erdölvorkommen hin untersucht wird. Schon vor zwei Jahren hatte Exxon, der weltgrößte Ölkonzern, hier seismische Untersuchungen vorgenommen – ganze zehn Kilometer südöstlich, in Holthusen I.

Was müssen die Bürger befürchten?
Die Fracking-Debatte läuft seit Jahren , aber bisher sind keine klaren Rahmenbedingungen festgelegt, was erlaubt sein soll und was verboten wird. Zuständig für den Rahmen ist die Bundesregierung. Dort hatten die Umweltministerin Hendricks und der Wirtschaftsminister Gabriel als verantwortliche Ressortleiter im Juni ein Eckpunktepapier (2) vorgelegt, in dem einige Klarstellungen erfolgten: Wasserschutzgebiete sollten vom Fracking ausgenommen werden, Schiefergas sollte nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen gefördert (und gefrackt) werden können, aber alle sonstigen Lagerstätten in den Gesteinsformationen, die es bei uns vielfach gibt, sollten nach diesem Papier mit Fracking-Technologie erschlossen werden.
Dieses Papier ging den Bürgerinitiativen im Land überhaupt nicht weit genug. Die allenfalls halbherzige Absage an die besonders riskante Schiefergasförderung könnte zum Einfallstor für amerikanische Verhältnisse werden. Von der besonderen Gefahr der Lagerstättenwasserentsorgung war in dem Papier nicht die Rede: hier fehlen sowohl Problembewusstsein als auch Lösungsansätze.

Im Moment wird aber auch diese unbefriedigende Strategie der zuständigen Fachminister_innen noch weiter abgebremst: das Kanzleramt unter dem ehemaligen Umweltminister Altmeier (der mit seinen halbseidenen Gesetzesvorhaben zur Regulierung des Fracking vor zwei Jahren gescheitert war) will noch wirtschaftsfreundlichere Regelungen.
Wir Bürger sind also gefragt, weiterhin am Ball zu bleiben und deutlich zu machen: die Bevölkerung will kein Fracking, und die Politik soll das gefälligst respektieren und ihren Job tun!

Und die Firmen?
Zur Zeit gibt es bis auf einzelne Fälle (z.B. Saal bei Barth in Mecklenburg- Vorpommern) kein Fracking in Deutschland. Es wird nur ganz normal weiter Gas und Öl gefördert – und dabei Quecksilber in der Gegend verteilt, Lagerstättenwasser im Boden versenkt, und dabei schwappen mal hier ein paar Kubikmeter über und mal geht es dort aus den Transportrohren in den Boden, alles in allem also für die Erdgas- und Erdölindustrie der ganz normale Betriebsalltag. Nur die zähen Bemühungen der Bürgerinitiativen haben das Thema der Quecksilbervergiftung von Böden (und Menschen?) auf die Tagesordnung gebracht (3). Jetzt reisen Minister nach Rotenburg und versprechen, in den nächsten vier Jahren würde alles mal durchgemessen. Die Wirtschaft tut nach wie vor nur das, wozu sie gezwungen wird – durch die Politik oder durch die Öffentlichkeit. Deswegen darf der Druck der Bevölkerung nicht nachlassen. Im Feld Oldendorf agiert die äußerst öffentlichkeitsscheue Firma Kimmeridge, die sich zunächst hinter einem Phantasie-Namen versteckte, bis das aufgedeckt wurde. Was haben die zu verbergen? Und wer kommt danach, wenn alles erkundet ist und es um die Förderung geht? Die Großen der Branche, allen voran Exxon, stehen schon bereit.

Gerade in Fremdenverkehrsgebieten wie der Lüneburger Heide und in Amelinghausen stehen eine intakte Natur und eine gesunde Umgebung hoch im Kurs. Damit das so bleibt, müssen Bürger wach sein. Das Netzwerk für Umweltkranke (GENUK e.V.) hat die Bürgerinitiative „Kein Fracking in der Heide“ aus dem Kreis Harburg eingeladen, die sich seit April 2013 mit dem Thema beschäftigt. Im Anschluss an eine kurze Einführung ins Thema ist Zeit für Diskussion. Kommen Sie und stellen Sie Ihre Fragen!

Für die BIs steht fest: Kein Fracking in der Totenstatt – und auch nicht unter den Lebenden!

Quellen:
(1) http://www.amelinghausen.de/fileadmin/PDFs/A2021/2012-11-07_Amelinghausen_2021_am_07.11.2012_-_klein.pdf

(2) https://frackingfrei.files.wordpress.com/2014/07/20140704_gabriel_hendricks_lfb-fracking.pdf

(3) <http://www.boehme-zeitung.de/typo3temp/pics/689851_a2bd9a1ded.jpg>

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich würde es schrecklich finden bei uns in der Lüneburger Heide amerikanische Verhältnisse zu haben, d.h. Menschen müßten die Höfe und Felder sowie die Viehhaltung aufgeben. Grundwasser wird vergiftet sowie die gesamten Wiesen und Wälder. Müssen wir das eigentlich haben ? Wollen wir denn alle krank werden ? Wird nicht schon genug mit den Nahrungsmittel gepanscht? Ich denke mal es geht wieder nur um Geld. Wir werden morgen auf jeden Fall an dieser Diskussion teilnehmen und sollten Politiker auftauchen auch dementsprechend Fragen stellen. So geht es nicht. Sollte Fracking gemacht werden ziehen wir in eine andere Gegend. Sofort.
    Heidi Hoffmann

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