CO2-Fracks – die Technik der Zukunft?

Die Umweltminister der Länder und des Bundes setzen auf konventionelles Fracking. Das heißt: nur in Schiefergestein („unkonventionell“) wird nicht gefrackt, aber in allen anderen Gesteinsarten (wie sie bei uns in Nordniedersachsen hauptsächlich anzutreffen sind) wird die Fracking-Technik eingesetzt werden. Es fehlen nur noch ein paar Gesetze und Richtlinien, das dauert sicher noch einige Wochen, aber das ist bald durch.

Was ist dieses „alte“ Fracking? Die Industrie hatte ja schon immer darauf hingewiesen, dass diese Technik in Niedersachsen schon ca. 300mal eingesetzt wurde (und bis jetzt sei doch alles gut gegangen). Und schon immer wurde diese Aussage verglichen mit dem Mann, der aus dem dreißigsten Stock eines Hochhauses fällt, und als er am dritten Stock vorbeifliegt, sagt : „Bis jetzt ist ja alles gut gegangen“.

Auch in unserer Nachbarschaft, im Kreis Rotenburg und dem Heidekreis, wurde bereits gefrackt. Dabei wurde zum Beispiel CO2 eingesetzt. In Söhlingen Z16 (einem Bohrplatz direkt am Ortsrand von Söhlingen/ Kreis Rotenburg) wurde CO2 mit der Frackflüssigkeit vermischt und in das Bohrloch eingepresst, um es aufzuwältigen. Das berichtete 2011 das Energieportal „energlobe“, das zu einer regierungs- und wirtschaftsnahen Vereinigung gehört. Es ging nicht um Riesenmengen, bei Vechta wurde in einem ähnlichen Fall ungefähr 100 Tonnen Kohlendioxid verwendet, in Söhlingen dürfte es eine vergleichbare Größenordnung gewesen sein. Geplant waren weitere CO2-Fracks z.B. in Weißenmoor Z1, das direkt an dem neu zugeschnittenen Wasserschutzgebiet des Wasserverbandes Rotenburg liegt. In den Angaben über frühere Weissenmoor-Frack-Maßnahmen war von CO2 noch nicht die Rede – das war etwas Neues, was nach 2011 erprobt werden sollte, dann aber wohl dem Stillhaltegebot zum Opfer fiel. Grundstoff- Süßwasser -Wasserverband Rotenburg- 254421kg- 97,00% der Frackflüssigkeit vermerkte das Protokoll noch im Jahr 2010 (Quelle s.u.).

Was die Angelegenheit pikant macht: zu der Zeit hatte der damalige FDP-Wirtschaftsminister Bode dafür gesorgt, dass Niedersachsen sich konsequent gegen jeden Versuch mit CCS-Technik ausspricht und in diesem Bundesland CCS generell verboten war (und bis heute ist). Die Verpressung von CO2 z.B. aus industrieller Produktion oder Energieerzeugung wurde ausgeschlossen. Die kleinen CO2-Moleküle wären nicht wirklich nachhaltig und sicher unter der Erde zu bergen, war die Befürchtung bzw. Annahme. Das war erfreulich – war doch Niedersachsen sonst nicht die Speerspitze des umweltschützenden Fortschritts gewesen. Gleichzeitig wurde aber in einem „normalen“ Produktionsprozess, nämlich der Gasförderung, CO2 in die Erde gepresst. Schwer nachzuvollziehen, wo da der Unterschied liegt: CCS-Verpressung nein – aber CO2-Fracking ja?

So viel zum Thema „altes Fracking“.

 

http://energlobe.de/archiv/ressourcen/fossile/mit-ccs-zum-gasboom

www.erdoel-erdgas.de/content/download/3048/27369/file/Weissenmoor%

(Ingo Engelmann, Mitarbeit Recherche: Renate Maass)

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Wie kommt man denn auf die krude Idee, CCS mit CO2-Anwendung als Wassersubstitut beim Fracen gleichzusetzen?

    CCS bedeutet Carbon Dioxid Capture and Storage. Zu deutsch: Auffangen von Kohlendioxid und Speichern in dafür geeigneten Horizonten, wie z.B. ausgeförderten Erdgaslagerstätten.

    Beim Fracen wird wie gesagt flüssiges CO2 als Ersatz für Wasser verwendet. Dieses kommt dann nach Abschluss des Fraprozesses wieder an die Erdoberfläche, wird also nicht gespeichert.

    Den Widerstand der CO2-Versenkung kann man kaum nachvollziehen vor dem Hintergrund, dass es in Deutschland Erdgaslagerstätten gibt, die so viel CO2 von Natur aus beinhalten, dass sich die Erdgasgewinnung nicht lohnt.

    Es gibt also bereits natürliche CO2-Lager im tieferen Untergrund. Und das seit über 200 Millionen Jahre.

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