Das LBEG widerspricht dem eigenen Bergdirektor

Seit Jahren versucht die Bürgerinitiative „Kein Fracking in der Heide“ herauszufinden, welche Sicherheitsmaßnahmen beim Transport verschiedener Stoffe von der Firma Engie (vormals GdF Suez, künftig Neptune Oil&Gas) im Landkreis Harburg vorgenommen werden bzw. vernachlässigt werden. Es hatte in den letzten Jahren mehrfach Leckagen beim Transport von Lagerstättenwasser gegeben. Außerdem war bislang keine klare Auskunft zu erhalten, aus welchen Materialien die Rohre waren, mit denen das Lagerstättenwasser zu den Verpressstellen in Sinstorf geleitet wird.

Bei der Veranstaltung der SPD in Fleestedt am 14.2.2017, auf der der Präsident des Landesbergamtes (LBEG) mit mehreren Mitarbeitern über die Ölförderung im Allgemeinen und speziell im Landkreis Harburg informierte, ging es ebenfalls um diese Rohre. Der Bergdirektor von den Eichen betonte ausdrücklich und mit zornigem Nachdruck: „Engie betreibt im Landkreis Harburg ausschließlich Rohre aus Stahl“. Zeugen: ungefähr fünfzig Bürger, ein Präsident, ein leitender Bergdirektor, eine Bundestagsabgeordnete. Damit schien diese Frage beantwortet.

Da der BI aber gegenteilige Informationen vorlagen, wurde im Rahmen der letzten NUIG-Anfrage das Bergamt noch einmal ganz offiziell gefragt, ob es noch reine PE-Leitungen gibt oder ob schon überall die sichereren Rohre aus Stahl mit PE-Beschichtung auf der Innenseite zum Einsatz kommen. Die Antwort überraschte, weil sie mit der wenige Wochen alten Behauptung des Bergdirektors nicht übereinstimmte:

Im Förderbetrieb Sinstorf ist eine Leitung aus dem Werkstoff Polyethylen für Lagerstättenwasser in Betrieb. In der Leitungstrasse wurden/werden Untersuchungen durchgeführt, mit denen nachgewiesen wurde/wird, dass keine schädlichen Mengen BTEX in den Boden bzw. das Grundwasser gelangen. Alle anderen Rohrleitungen bestehen aus Stahl.“

Entweder hatte das der Bergdirektor nicht gewusst, oder er hatte die Öffentlichkeit im März bewusst belogen. Beide Möglichkeiten sprechen nicht für ihn.

PE-Rohre sind in Misskredit geraten, weil sich vor mehreren Jahren herausgestellt hatte, dass sie nicht diffusionsdicht für Benzol waren. Exxon hatte mehrere Kilometer PE-Rohre ersetzen und vergifteten Boden auskoffern müssen. Es waren aber noch weite Rohrstrecken aus PE-Rohren weiter in Benutzung, weil sie angeblich von der Zusammensetzung des Lagerstättenwassers nicht gefährdet waren (geringerer Benzolgehalt). Dier Bürgerinitiativen fordern seit langem, dass PE-Rohre für den Transport von Lagerstättenwasser generell nicht mehr eingesetzt werden dürfen, weil der Gebrauch zu riskant sei. Die Angabe, es wurde oder werde untersucht, lässt an Klarheit deutlich zu wünschen  übrig.  Wenn man jetzt mitbekommt, welche Verrenkungen ein Bergdirektor macht, um der PE- Diskussion zu entkommen, verschärft das das Misstrauen. Vielen Dank, Herr von den Eichen.

 

(Ingo Engelmann)

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