Das Schweigen der Stelzenwaldsänger

Immer wieder stellt der bezahlte und ehrenamtliche Freundeskreis der Gas- und Ölförderung die Behauptung auf, durch Fracking oder Gasförderung sei in den letzten Jahrzehnten doch auch kein Schaden entstanden. Daher könne man auch künftig die Sorgen zu Haus lassen.

Der Deutschlandfunk berichtete vor kurzem über wissenschaftliche Beobachtungen in den USA, die die mittel- und langfristigen Frack-Folgen direkt an den Bohrplätzen betreffen. Das wirkt zum Teil auf den ersten Blick unspektakulär – wer macht sich schon wirklich Gedanken darüber, ob der Stelzenwaldsänger in den Weiten des amerikanischen Mittelwestens mancherorts seltener zu hören ist, hingegen der Braunkopf-Kuhstärling sich immer mehr breit macht? Grund dafür dürften wohl Veränderungen in der Struktur der Landschaft sein: mehr Bohrplätze und Fahrtrassen in Waldgebieten sorgen für mehr waldrandähnliche Situationen, und da leben andere Tiere als mitten drin im Wald. Ob es schlechter ist, ob besser – das ist damit noch nicht gesagt. Es wird aber anders.

Schlecht ist auf jeden Fall der Nachweis von BTX rund um die Bohrlöcher. „Wir fanden die aromatischen Kohlenwasserstoffe, Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol auf fast allen Blättern im Umkreis von etwa 100 Metern. Am höchsten war die Konzentration an Benzol.“ Viele wundern sich daher nicht, wenn es um die Bohrlöcher herum zu erhöhten Krebsraten kommt: Diese Stoffe sind krebserregend. Aber nicht nur die Menschen leiden. Die Landwirtschaft dürfte rund um Bohrlöcher künftig einen großen, großen Bogen machen – oder es landet alles in unserer Nahrung.

„Rinder, die so hohe Mengen an Benzol inhalieren, weisen Wunden und Geschwüre in den Lungen und im Mundbereich auf. Und sie leiden unter Atemwegserkrankungen. Das ist besorgniserregend, denn in unserem Untersuchungsgebiet sind sehr viele Viehweiden und die Rinder grasen oft direkt neben den Bohrlöchern und atmen die Luft dort ein.“

Klingt wie bei uns. Milchvieh steht zwar in Zeiten vermehrter Stallhaltung nicht mehr überall auf den Weiden (man versteht jetzt besser, wie es dazu kommt), aber gucken Sie doch mal nach, wie es beim Milchbauern Ihres Vertrauens aussieht, wenn man über den Weidezaun guckt. Wo ist der nächste Bohrplatz, wo die nächste Molkerei im Rotenburger Land – und wann kommen die Bohrtürme auch auf unsere Weiden?

Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/folgen-von-fracking-stille-waelder-giftiges-laub.676.de.html?dram%3Aarticle_id=328337

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