Eiszeitliche Verhältnisse in Norddeutschland – heute

Eiszeitliche Verhältnisse in Norddeutschland heute

Konventionelle und unkonventionelle Öl- und Gassucher treffen bei ihrer Aufsuchung, wenn sie ihre Förderabsichten verwirklichen wollen, im Großraum Rotenburg und der  Lüneburger Heide auf besondere Bodenverhältnisse im Untergrund.

Betrachten wir dies an einem Beispiel eines 50 km langen geotektonischen Schnittes von Rotenburg in Richtung Sittensen, quer durch das  Erlaubnisfeld Sittensen. Hier liegt das vorrangige Förderinteresse (Gas/Öl) für die kanadische Firma PRD Energy GmbH in Berlin.

Grafik Geotektonischer Atlas 3D

Geotektonischer Schitt 3 D vom 29.10.2013, Quelle Nibis Kartenserver des LBEG Niedersachsen (Hier leider nur ein link, bis es gelingt, die Grafik direkt einzubinden…)

Dieses Profil zeigt im groben Schnitt  den tatsächlichen (und modellhaft generalisierbaren) geologischen Aufbau im Untergrund eines Bereichs einer Norddeutschen Landschaft.

Man kann die eiszeitlichen Rinnen in den oberen Schichten sehen. Sie können lokal sehr unterschiedlich sein und sind für die Grundwasserflüsse von ausschlaggebender Bedeutung. Ihr genauer Verlauf am tatsächlichen Aufsuchungsort ist also sehr wichtig, denn sie schneiden oft tief ein (-50 m oder mehr, wie die Elstorfer Rinne westlich von Wistedt mit -100 m). Dabei können auch mehrere Stockwerke entwickelt sein, weil wir es im Wesentlichen mit drei Eiszeiten in unserer Region zu tun hatten.

Die tiefsten Rinnen entstanden wohl unter dem Eis oder dem sich bewegenden Eisschild der Elster und Saale-Vereisung, bei denen das Eis über Buchholz und Umgebung bis zu mehrere tausend Meter dick gewesen ist. Solch ein Riesen-Eisberg  hat beim Abschmelzen auch viel Wasser freigesetzt, welches tiefe Rinnen gegraben haben kann, die dann mit Geröll (sortierter Moräne) gefüllt wurde. Der tatsächliche Verlauf der Rinnen im Detail ist für den Verlauf der Grundwasserströme ausschlaggebend. Hier sind unsere Trinkwasserreservoire. Jegliche eindringende Verschmutzung muss ausgeschlossen werden
Die tieferen geologischen Stockwerke sind dann von großer Bedeutung, wenn Salzstöcke (hellblau gekennzeichnet) vorkommen. Das Profil zeigt davon mehrere und es zeigt auch, dass die zu ganz unterschiedlichen Zeiten aufgestiegen sind. Die gekappten waren unterwegs nach oben in der Zeit vor ihrer Überdeckung und sind für uns an der Oberfläche  dann nicht mehr von Bedeutung, wenn sie von undurchlässigen Schichten überlagert sind, wie etwa den Tonen des Oligozän oder Miozän. Es sollten gute Wasserstauer sein und auch salzige Wässer unter sich fest halten.

Ganz anders sieht es bei dem Salzstock aus, der bis in den jüngsten Schichten hochgedrungen ist. So einer ragt hier und da sogar über die heute sichtbare Oberfläche hinaus – etwa am Lüneburger Burgberg. Da ist der Lösungsrest des Salzstocks als Gipshut aufgeschlossen und der darunter liegende Salzstock wird weiterhin allmählich gelöst, so dass die Häuser der Stadt Lüneburg schief und krumm sind und oft zusammenstürzten. Doch solche Salzstöcke müssen keineswegs an der Oberfläche erkennbar sein.

Sie sorgen für schwierige Verhältnisse, indem sie  den Aufstieg von Gewässern ermöglichen, die sich sehr tief im Untergrund  bewegen. Durch diese Salzstöcke kann es Rückkehrwege unerwünschter, in den Untergrund zum Verbleib, eingepresster Lagerstättenwässer geben.

Die Planung mancher Förderfirmen geht dahin, die ausgeförderten Bereiche wieder mit den Lagerstättenwässern zu füllen. Das Vorkommen  dieser  Art von Salzstöcken im Untergrund ist über seismische Untersuchungen zu erfassen, während Bohrungen sie auch leicht verfehlen könnten. Besonders gefährlich wird es dann, wenn eine Eiszeitrinne mit grober Verfüllung in Kontakt tritt mit einem Salzstock, wie das z.B. bei Gorleben der Fall sein soll
In der Grafik kann man  unter dem Salz gelegene tiefe Dellen- der alte verfaltete Untergrund und der Verwitterungsschutt des alten Gebirges (das Rotliegende) erkennen . Im ausgewählten geotektonischen Schnitt reicht das Rotliegend sogar hoch hinauf bis in Bereiche um 2000 m. Hier liegen die besonderen Förderinteressen der Aufsucher nach kohlenwasserstoffhaltigen Vorkommen.

 

Auf die geplanten Eingriffe in diesen Untergrund, sei es durch Fracking oder das Wiedereinpressen der anfallenden Lagerstättenwässer, sollte auf  jeden Fall verzichten werden.  Das Trinkwasser ist im Störungsfall nicht mehr brauchbar.  Wir haben  erstklassiges Trinkwasser – und es ist sehr wichtig für uns Menschen, dass es uns auch in Zukunft erhalten bleibt.

 

Text: Renate Maaß, beraten durch Prof. Dr. Klaus Bandel

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