Engie: Bewilligungen laufen aus – Aufklärung über Unregelmäßigkeiten gefordert

Aufklärung über die Zwischenfälle bei Engie, die vor acht Jahren zur Verfüllung von den drei im Landkreis Harburg liegenden Bohrstellen geführt haben, ist bisher ausgeblieben. Neue Ungereimtheiten sind aufgetaucht. Es ist von verstärktem Interesse, diese Fragen zu beantworten, weil die Bewilligungen der Bohrstellen Meckelfeld-West 1a und 4a zum 31.05.2017 auslaufen, die der Bohrstelle Sottorf-Ost 3a zum 30.11.2017. Im Februar hatte das Landesbergamt auf Anfrage mitgeteilt, es lägen keine Verlängerungsanträge für diese Bergbauberechtigungen vor. Dabei wird es aber wohl kaum bleiben. Bevor das LBEG hier leichtfertig Verlängerungen ausspricht, erwarten wir die geforderte Aufklärung. Die Beantwortung unserer schriftlichen Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz vom 27.03.2017 ist überfällig, die gesetzliche Frist zur Beantwortung ist vor einer Woche abgelaufen.

Engie hatte auf die Fragen der BI nur wenig aussagekräftig geantwortet (wir berichteten). Offen blieben viele Fragen: Was hatte zu dem Eindringen von Wasser in die sog. „Futterrohrtouren“ geführt? Woher nimmt Engie die Gewissheit, dass nur Flüssigkeit eingedrungen ist, aber nichts ausgetreten? Gab es entsprechende Untersuchungen (oder sind es nur Schlussfolgerungen aufgrund der Druckmessungen)? Warum wiederholt Engie falsche Jahresangaben immer wieder, schon im Unternehmensbericht 2009 und wieder im aktuellen Schreiben an die BI?

Diese Jahresangaben sind nachweislich teilweise falsch. Engie gab im Unternehmensbericht 2009 an, die drei teilverfüllten Bohrungen würden im Jahr 2010 abgelenkt neu gebohrt. Tatsache ist, dass eine Bohrung bereits 2008 verfüllt und neu gebohrt wurde (Meckelfeld-West 4a). Die anderen beiden dann im Jahr 2010. Das geht aus den offiziellen Angaben im nibis-Kartenserver des Landesbergamtes hervor. Wir wissen nicht, ob das wichtig ist oder nicht. Wir wissen nur: Das Misstrauen gegenüber Firmen wie Engie ist groß. Und Ungereimtheiten lassen Fragen aufkommen, was denn da vertuscht werden soll.

Engie ist ja kein unbeschriebenes Blatt, was das Vertuschen von Umweltschädigungen betrifft. In der Altmark bei Salzwedel (Sachsen-Anhalt) hatte Engie (damals noch unter dem alten Namen GdF Suez) mit den zahlreichen Förderstellen, die sie aus dem Bestand der DDR-Ölförderung erworben hatte, auch einen Teich bei Brüchau übernommen. Schon seit über zehn Jahren wusste Engie durch Gutachten, dass aus diesem als Deponie missbrauchten Teich giftige und radioaktive Stoffen versickerten und zum Teil schon das Grundwasser erreicht hatten. Das führte nicht zu sofortigen Sanierungsmaßnahmen, sondern zu endlosen Planungs- und Vertuschungsprozessen. Derweil wurde der Teich nach Recherchen des WDR weiterhin auf Listen geführt, mit denen Firmen gelockt werden sollten, die radioaktiv oder anderweitig kontaminierten Müll loswerden wollten. Bis heute werden von Engie und dem durch vertragliche Verpflichtungen mitbetroffenen Land Sachsen-Anhalt lediglich kosmetische Maßnahmen (Teichabdeckung) angeboten, statt endlich eine restlose Beseitigung des Giftmülls in Gang zu setzen. Das erhöht das Vertrauen in Engie nicht. Und auch nicht in die staatlichen Behörden…

Bisher wissen wir nicht, wie weit die Ablenkbohrungen im Kreis Harburg sich von der Bohrstelle entfernen. Wenn wir die für Laien kaum verständlichen Kürzel im Kartenwerk des LBEG richtig interpretieren, könnte es sich bei der Bohrung auf dem Betriebshof von Engie am Seevetaler Postweg um eine Ablenkung von über 600 Meter handeln. Dann wäre der Entnahmeort für das Öl  je nach Richtung der Ablenkung (die bisher auch verschwiegen wird) locker unter der „Käfersiedlung“ in Hamburg Sinstorf und auch unter der dort angesiedelten Kreativbrauerei Kehrwieder. In der anderen Richtung reicht das nahe an das Trinkwasserschutzgebiet Woxdorf, das einen Kilometer von der Bohrstelle entfernt beginnt. Die Bohrung Meckelfeld-West 1a reicht entweder unter die Siedlung Jesdal (dort wird gerade ein neuer Bebauungsplan erstellt) oder unter das neue Sportzentrum des TuS Fleestedt.

Vom Landesbergamt wünschen wir uns nun einen transparenten Entscheidungsprozess über die Verlängerung der Bewilligungen zur Ölförderung – oder deren Beendigung.

 

(Ingo Engelmann)

 

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