Engie (ehemals GdF Suez) wird an Newcomer aus England verkauft

Schon im letzten Jahr verdichteten sich die Gerüchte, dass die Öl- und Gasförderfirma Engie E&P im Zuge einer Umorientierung des Unternehmens seine Beteiligungen im Aufsuchungs- und Förderbereich von Gas und Öl abgeben könnte (1). Das Unternehmen wollte aus den Unwägbarkeiten des Öl- und Gasmarktes raus und sich besser auf die Energiewende einstellen. Dazu bot es sich an, aus den fossilen Energieträgern Kohle, Gas und Öl Schritt für Schritt auszusteigen. Ende 2016 teilte die Gas- und Ölfirma Vermilion mit, sie habe einige Förderlizenzen für Öl und Gas von Engie übernommen (im gleichen Zug hatte Vermilion auch mit Exxon ein farm-in-Abkommen abgeschlossen, mit dem man Exxon Aufgaben abnahm) (2). Ein erstes „eigenes“ Aufsuchungsfeld hatte Vermilion in Deutschland 2015 in der Südheide übernommen („Weesen“ mit Hermannsburg und Unterlüss im Kreis Celle), ein zweites kam kürzlich in der gleichen Region hinzu („Aller“ zwischen Müden/Aller und Wittingen). In diesem Feld ist das Bewilligungsfeld Vorhop eingeschlossen, das Vermilion von Engie übernommen hatte.

In Großbritanien hatte Engie im März 2017 seine Beteiligungen an Schiefergaslagern an Ineos abgegeben, die dadurch Englands größter Schiefergasproduzent wurden (3).

Da bahnte sich also schon etwas an. Nun ist aber der ganz große Schritt getan, das sinkende Schiff zu verlassen: Engie E&P verkauft seine Sparte E&P International inklusive der Engie E&P Deutschland GmbH an einen britischen Newcomer, Neptune Oil&Gas (4) . Die Firma wurde vor etwas über einem Jahr gegründet, um neue Investitionsfelder aufzutun. Chef von Neptune ist Sam Laidwell, ehemals Chef des größten britischen Energieversorgers Centrica mit einem Jahresbonus von 4 Millionen Pfund (2013, kurz vor seinem Ausscheiden bei Centrica) (5). Hinter Neptune stehen mit der Carlyle Group (USA) und CVC Capital (Luxemburg) zwei der größten private-equity-Firmen der Welt. CVC ist der europäische Arm der amerikanischen Citibank. Die Kaufsumme von 4,7 Milliarden Euro dürfte diese Geldgeber nicht überfordern. Wenn das in diesen Tagen angekündigte Geschäft um die Jahreswende abgewickelt sein dürfte, ist Engie raus aus den fossilen Energien.

Das Gerede von den heimischen Energiequellen, die Deutschland aus nationalem Interesse halten und fördern müsse, erweist sich erneut als hohles Geschwätz. Was ist heimisch an dem Öl, das von einem Konsortium aus US-amerikanischen Heuschrecken und chinesischen Staatsfonds beherrscht wird? Neben den 70% der Engie-Anteile, die Neptune erwerben will, liegen 30% schon länger in chinesischer Hand.

Diese globalen Prozesse könnten ein Grund dafür sein, dass Engie Deutschland auf jüngste Anfragen einer kleinen BI aus dem Landkreis Harburg, die unklare Vorfälle bei den Engie-Förderanlagen im Landkreis betreffen, nicht antwortet. Der Pressesprecher hat derzeit vermutlich anderes zu tun. Warum auch das Landesbergamt die vor über sechs Wochen gestellte NUIG-Anfrage zu der Thematik ebenfalls nicht beantwortet, erklärt sich dadurch aber nicht automatisch. Transparenz ist nicht hoch angesehen in diesem Geschäftsfeld.

  1. https://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/739727/unruhe-in-belegschaft-von-engie-in-lingen
  2. http://www.vermilionenergy.com/news/latestnewsrelease.cfm?newsReleaseAction=view&releaseId=154
  3. https://seekingalpha.com/news/3250055-engie-exits-u-k-shale-gas-asset-sale-ineos
  4. https://www.ft.com/content/19ccb835-ca88-34d2-96a4-f903e61eaeeb
  5. https://en.wikipedia.org/wiki/Sam_Laidlaw

(Ingo Engelmann)

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