Engie, Engie – when will those dark clouds disappear…

Die Öl- und Gasfirma Engie (ehemals GdF Suez) betriebt im Landkreis Harburg drei Ölförderbohrungen und einen Betriebsplatz in Beckedorf (Seevetal). Die BI „Kein Fracking in der Heide“ nutzte ein Treffen mit dem Präsidenten des Landesbergamtes, Andreas Sikorski, um vor Ort einen Besuch bei Engie zu machen. Für die BI war von besonderem Interesse, was es mit einem Vorfall aus dem Jahr 2009 auf sich hat, der fast keine Erwähnung im weltweiten Netz findet und umso nebulöser wirkt. „When will those dark clouds disappear“ – wie die Stones in ihrem Song „Angie“ 1973 sangen. Da waren die Bohrlöcher im Feld Sinstorf ungefähr zehn  Jahre alt.

Engie hatte im Unternehmensbericht 2009 in knappen Sätzen mitgeteilt:

Nach Feststellung irreparabler Schäden an den Futterrohrtouren wurden die Bohrungen Meckelfeld-West 1 und West 5 sowie Sottorf-Ost 3 des Erdölfeldes Sinstorf zum Schutz gegen unkontrollierte Wasserzuflüsse teilverfüllt. Da hier noch ausreichendes Produktionspotential gesehen wird, sollen die drei Bohrungen 2010 abgelenkt werden.(1, Seite 24)

Im Jahr 2011 hat dann das Landesbergamt (LBEG) im Jahresbericht für die Erdöl- und Erdgasförderung erwähnt: „Im Hamburger Jura-Trog wurde in den Feldern Meckelfeld-West und Sottorf-Ost je eine Bohrung ölfündig“ (2, Seite 291). Die dritte Bohrung wurde gar nicht genannt und taucht auch in den folgenden Jahren nicht auf.

Bei dem Engie-Besuch blieben die Fragen offen, was denn damals konkret passiert war und was die Firma konkret getan hatte. Klar war nur: Es hatte einen Zwischenfall gegeben, der alle drei im Landkreis Harburg aktiven Förderbohrungen betroffen hat und dazu führte, dass die alten, senkrecht verlaufenden Bohrungen im unteren Teil verfüllt wurden und neue Bohrverläufe abgelenkt wurden. Wie weit diese reichen, wie tief sie gehen, und in welche Richtung, erfuhren die BI-Vertreter nicht. Die drei Engie-Mitarbeiter schienen bei diesem Thema wenig im Bilde, die LBEG-Vertreter wirkten auch interessiert, aber nicht kundig, und als die BI den Platz verließ, war sie nicht schlauer als vorher.

In einem Schreiben an den beim Besuch anwesenden Engie-Pressesprecher, Herrn Dr. Brieske, wünscht die BI nun Auskünfte über den Vorfall und über die Konsequenzen, die Engie daraus gezogen hat (4) . Wo es Wasserzuflüsse gibt, sind Verunreinigungen des Rohrumfeldes nicht weit. Wurden eventuelle Schädigungen des Bodens bzw. des Grundwassers geprüft, und mit welchem Ergebnis? Und auch das LBEG wird von der BI gebeten, seine Informationen oder ggf. Fragen offenzulegen.

Es hatte bei Engie im Feld Sinstorf in der Vergangenheit mehrfach Zwischenfälle mit ausgelaufenem Lagerstättenwasser gegeben. Die Firma war mit solchen Zwischenfällen nicht sehr transparent umgegangen. Die Bi wünscht sich nun einen offeneren Dialog.

Und sonst noch? Einwändige Tanks, keine Wanne, die leidigen Fackeln usw.

Bei dem Besuch waren weitere Punkte angesprochen worden: die alten Öltanks, die fehlende Befestigung des Platzes, die Rohrlagerungen in der jüngsten Vergangenheit. Am besten wurden die Engie-Interessen dabei von einem mitgereisten LBEG-Mitarbeiter vertreten. Alles entspreche den Vorschriften der AwSV und des WHG, was wir Bürgervertreter nicht vor Ort zeitnah nachprüfen konnten. Es erschien zumindest überraschend, dass die aus den frühen sechziger Jahren stammenden einwandigen Öltanks nicht einmal eine geschlossene Auffangwanne für den Fall einer Leckage aufwiesen. Ist der Bestandsschutz für Altanlagen so großzügig, dass hier keine Nachrüstung erforderlich ist – oder gibt es ggf. Ausnahmegenehmigungen der Unteren Wasserbehörde oder anderer zuständiger Stellen? Wir bleiben am Ball. Jedenfalls hat uns die Aussage des eifrigen LBEG-Direktors nicht beruhigt, man könne entweichendes Schweröl mit der Schippe aufnehmen, es dringe nicht in den Boden ein (im Unterschied zu Benzin oder Diesel auf der Tankstelle).

Die offen gelagerten Rohre mit sichtbaren Ablagerungen, die durch Wind und Regen in der Gegend hätten verteilt werden können, sind in den letzten Monaten vom Waschplatz verschwunden. Hier hat Engie aufgeräumt, das ist erfreulich. Alle lagernden Rohre sind ordnungsgemäß verschlossen. Ob Rückstände in den Boden gelangten, kann man selbstverständlich nicht sehen (und eine BI kann nicht einfach Bodenproben auf Privatgrund entnehmen). Ein ungutes Gefühl bleibt.

Die Fackel, mit der Engie Methan abfackelt, ist dem Augenschein nach öfter in Betrieb, als es der Zweck erwarten ließe: Sie sei nur dazu da, im Notfall überschüssige Gasmengen abzunehmen, wenn die Anlage überfordert sei (so waren die Angaben der Betreiber wohl zu verstehen). Abscheider für giftige Bestandteile des Gases seien nicht erforderlich, der Quecksilbergehalt liege nur wenig über dem von Trinkwasser. Es bleibt zu beobachten, wie oft diese Fackel in Betrieb ist.

Im Blickpunkt bleibt auch die Frage nach dem Rohrleitungssystem, mit dem Engie das Öl zum Betriebsplatz und das Lagerstättenwasser zu den Einpressstellen in Hamburg-Harburg leitet. Das LBEG versicherte, Engie setze ausschließlich Stahlrohre ein, die inwändig PE-beschichtet seien. Die BI hat da ihre Zweifel und wird dem weiter nachgehen.

Fazit: Eine drastisch heruntergefahrene Förderanlage (von früher 180.000 to Öl/Jahr auf jetzt 6.000 to) liegt in den letzten Zügen. Wir wurden freundlich empfangen und weitgehend auch im Verlauf so behandelt. Auf kritische Nachfragen reagierte ein LBEG-Mitarbeiter giftiger als die Engie-Vertreter. Gut, dass dieser Besuch möglich war (Auslöser war eine Einladung von Svenja Stadler, SPD-MdB, an Herrn Sikorski zu einer Veranstaltung am selben Abend, siehe dazu Presseberichte (3). Es bleiben Fragen übrig, wie das bei solchen Besuchen eben so ist. Diese sind jetzt abzuarbeiten.

(Foto: Brieske/engie)

(Ingo Engelmann)

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