Exxon, Bigfoot und die Entführung der Beastie Boys

In Berlin bereitet man die letzte Schlacht um deutsche Energie vor. Noch im März soll das Kabinett die vorliegenden Veränderungen an Gesetzen und Vorschriften behandeln, die das riskante Fracking regulieren sollen. Die Konzerne positionieren sich. Die Szenerie wird immer unheimlicher – immer mehr Ölzüge explodieren in Amerika (6), deutsche Lagerstättenwasser-Pipelines sind leck (7), Ölfirmen geben Pressemitteilungen heraus (8).

Der Chef von Exxon im alten Europa, Gernot Kalkoffen, ist persönlich nach Berlin gereist. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“, wird er in der Süddeutschen Zeitung (2) zitiert. In der Tat muss Exxon sinkende Gewinne hinnehmen, im letzten Quartal waren es nur noch 6,6 Milliarden Dollar (1). Das wären für das Jahr 2014 dann womöglich unter 30 Milliarden Dollar, da steht man dann schon mächtig unter Druck – waren noch vor wenigen Jahren Rekordgewinne von über 45 Milliarden Dollar im Jahr verzeichnet worden.

Was setzt Kalkoffen dieser dramatischen Entwicklung entgegen? Wenn man genau hinhört, kommt man dahinter. Er setzt auf den amerikanischen Mythos. Nicht den der Pioniere oder des Goldrausches, nein, er setzt auf Bigfoot. Diese amerikanische Gestalt, ein bisschen Yeti und ein bisschen stark behaarter Riese, soll seit  1850 in den Rocky Mountains an den verschiedensten Stellen dutzendfach gesichtet worden sein. Kalkoffen setzt nun auf Bigfoot in Europa. Er lehnt die „Zwangsreinigung“ des Lagerstättenwassers ab, die Versenkung in tiefe Erdschichten müsse genügen. Naturschutzgebiete möchte Kalkoffen nicht automatisch vom Fracking ausnehmen, berichtet die Süddeutsche (2) und zitiert Kalkoffen:

„Wenn wir einen industriellen Kern erhalten wollen, geht das nicht ohne einen Fußabdruck“.

Bigfoot als Maskottchen von Exxon. Der große Fußabdruck als Logo, das ist ein offenes Wort. Übrigens haben Bigfoots die amerikanische Band „Beastie Boys“ entführt, damals, man sieht es in dem Clip zu ihrem Titel „Triple trouble“ (3). Womöglich steckte Exxon auch damals hinter der Entführung der aufmüpfigen HipHop-Band. Müssen wir von den Bis in Deutschland doch noch mehr aufpassen? Sind die Schwarzenberge bei Harburg geeignetes Rückzugsgebiet für lokale Bigfoots?

Aber wahrscheinlich hat es mich nur angesteckt, dieses Geschwurbel von Herrn Kalkoffen. Ich sollte mich davon nicht irritieren lassen. Es geht nicht um das Gerede. Es geht nur um das Geld, das nach wie vor dahinter steht. Deshalb hat Niedersachsen seine Lizenzgebühren für Erdölförderung von 19 auf 18% gesenkt – und für Gas sogar von 37 auf 30%. Grund dafür sei der gesunkene Rohölpreis auf dem Weltmarkt. Weiter erklärt der Wirtschaftsminister in Hannover: „Die Landesregierung bekennt sich zu der heimischen Erdöl- und Erdgasförderung. Diese leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und sichert Arbeits- und Ausbildungsplätze in strukturschwachen Regionen. Darüber hinaus tragen die Unternehmen mit Steuern und Abgaben zur Verbesserung der Finanzsituation von Gemeinden und dem Land bei.“ (4)  Das ist ein paar Wochen her. Da werden die Weichen gestellt, in den Wirtschaftsministerien. Da nimmt man schon mal einen Fußabdruck in Kauf, der nach ungewaschenem Yeti riecht.

Wer keine Angst vor Bigfoot hat – und auch nicht vor Exxon, und wer mitdiskutieren möchte, was wir künftig gegen die Ölprinzen im Landkreis Harburg tun werden, kann das am
Dienstag, 17. März 2015 um 19:30 Uhr in der Wassermühle Karoxbostel
tun. Die BI „Kein Fracking in der Heide“ läd zur Information über die aktuelle Lage und Diskussion weiterer Schritte ein (Einladung (5)).

(1) http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/oelkonzern-oelpreisverfall-drueckt-exxon-gewinn/11315962.html
(2) „Gezerre ums Fracking“ Gegner und Befürworter munitionieren sich fürs letzte Gefecht. Süddeutsche Zeitung N r 57, 10. März 2015, S. 21
(3) https://www.youtube.com/watch?v=lNVoQNNClmU
(4) http://www.mw.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/subventioniert-die-rot-gruene-landesregierung-die-erdoel–und-gaskonzerne-130832.html
(5) http://www.kein-fracking-in-der-heide.de/was-geht-uns-das-an/
(6) http://www.bild.de/bildlive/2015/19-kanada-40066436.bild.html
(7)http://www.lbeg.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/titel-131909.html
(8) diverse

(Ingo Engelmann)

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  1. „Bigfoot“ etc. => Wunderbar formuliert, Ingo! War eine Freude beim Lesen. Hoffentlich kann Herr Kalkoffen schwimmen. Das Wasser wird noch steigen.

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