Frist für Erdölförderung im Trinkwasservorranggebiet Beckedorf (Seevetal) vorläufig verlängert

Die weltweite Erdöl- und Gassparte der Firma Engie ist seit wenigen Wochen endgültig in den Besitz der Neptune Energy LLC aus England übergegangen. Die größten Fondsgesellschaften der Welt halten sich die bisher ansonsten kaum in Erscheinung getretene Firma, um unter diesem Dach weltweit Öl- und Gasförderkapazitäten zu bündeln (Wertpapierfonds Carlyle, CVC, CIC). Damit befinden sich auch die im Landkreis Harburg betriebenen Förderstellen in neuen Händen. Dadurch wird nichts besser:

Die BI „Kein Fracking in der Heide“ kritisiert, dass diese Erdölförderung mit einer technischen Ausstattung, die zu großen Teilen fast 60 Jahre alt ist, nicht mehr dem heutigen Standard entspricht und ist besorgt über die andauernde Gefahr der Ölförderung im Trinkwasservorranggebiet. Der Betriebsplatz am Postweg in Seevetal ist unversiegelt. Die Entsorgung der betrieblichen Oberflächenwässer erfolgt über zwei Anschlüsse an die öffentliche Regenwasserkanalisation.

Es bestand aber auch bis Januar 2018 das Recht, die Oberflächenwässer durch „Einbringen und Einleiten von Stoffen in oberirdische und Küstengewässer“ durch Direkteinleitung in den Mühlenbach zu entsorgen. Da diese aktive, reale unbefristete wasserrechtliche Erlaubnis nicht weiterhin toleriert werden konnte, wurde das seit 1963 bestehende Wasserbuch auf Antrag der BI jetzt gelöscht. Dafür hat der Landkreis gut zwei Jahre gebraucht.

Auf dem Betriebsgelände befinden sich drei einwandige Separationstanks aus den 1960iger Jahren, deren Dichtigkeit ausschließlich über eine Opferanode gewährleistet werden soll. In den Tanks wird das Öl vom mitgeförderten Lagerstättenwasser getrennt. Diese Anlage befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Trinkwasservorranggebiet (TVG) und im Abstand von 400 m zum Wasserschutzgebiet Woxdorf. Der Standort Beckedorf gehört zum Trinkwassereinzugsgebiet des Wasserwerkes Bostelbek, Hamburg. Unter dem Gelände verläuft eine eiszeitliche Rinne (-100 m Erosionstiefe), deren Abstrom zum Wasserwerk Bostelbek verläuft. Was hier in die Erde geht, kommt irgendwann im Trinkwasser wieder hoch.

Die BI trug bereits 2017 dem damaligen Wirtschaftsminister Lies ihre Sorge um eine mögliche Verschlechterung des Trinkwassers im Untergrund durch das mögliche Eindringen wassergefährdender Stoffe vor. Ebenso wurden diese Bedenken in den letzten Jahren in mehreren Gesprächen mit der Kreisverwaltung vorgebracht.

Der Betriebsplatz ist nicht versiegelt ist und hat keine Aufkantungen. Daher erscheint es fraglich, ob die neueren Gesetzesauflagen (§ 18 AwSV – Verordnung für Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen), z. B. „Anforderungen an die Rückhaltung wassergefährdender Stoffe“ oder aber (§ 20 AwSV) die „Rückhaltung des Löschwassers bei Brandereignissen“ in Beckedorf umgesetzt werden können.

Der überalterte Betriebsplatz von Engie wird auch genutzt, um Erdöl aus dem Bewilligungsfeld Sottorf-Ost zu verarbeiten (Bewilligungsinhaber und Auftraggeber: Exxon Mobil). Die Bewilligung war befristet bis 30.11.2017. Normalerweise zögert das Landesbergamt nicht, auslaufende Befristungen einfach zu verlängern (gern für weitere 15 Jahre). Nun ist aber die zunächst kurzfristige Verlängerung bis 31.05.2018 verbunden mit einer Verkleinerung des Gebiets und einer neuen Benennung – nicht wie üblich „Sottorf-Ost Verkleinerung“, sondern „Sinstorf“. In Sinstorf wurde 1960 erstmals erfolgreich gebohrt. Das neue Gebiet liegt allerdings ausschließlich in Seevetal.

Die BI fordert Landesbergamt und Exxon auf, die Bevölkerung über die geplanten Veränderungen zu informieren. Offensichtlich geht es bei der Neubewilligung um mehr als nur die Verkleinerung des Gebiets. Sonst wäre keine Anhörung von Kreis und Kommune erforderlich, um eine weitere langjährige Berechtigung erteilt zu können.

Wir lehnen die Fortsetzung des Betriebes der Erdölförderung im „Trinkwasservorranggebiet Bostelbek“ in Beckedorf auf einem unversiegelten Betriebsplatz ab“, sagten die BI-Vertreter Renate Maaß und Dr. Peter Schmüser am 09.01.2018 in einem Gespräch mit der Kreisverwaltung in Winsen, „da bei Brandereignissen die austretenden wassergefährdenden Stoffe wie Lösch-, Berieselungs- und Kühlwasser sowie die entstehenden Verbrennungsprodukte der Mobilen Fackel mit wassergefährdenden Eigenschaften nicht nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zurückgehalten werden können.“

Die kommunalen Verantwortlichen in der Gemeinde Seevetal und im Landkreis Harburg wurden aufgefordert, die geplanten Verlängerung der Förderbewilligung für das Feld Sinstorf, das über den Betriebsplatz Beckedorf der neuen Firma Neptune abgewickelt wird,  abzulehnen (s. Anlage).

Brief an Umweltausschuss Landkreis Harburg 22.2.18

(Renate Maaß, Dr. Peter Schmüser, Mitarbeit Ingo Engelmann)

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