GasLand Rotenburg

29. Juli 2013 · 1 Kommentar

Söhlingen Z 11 - Vorsicht, Bienen...Ein zwiespältiges Ausflugsziel: Verschiedene Bohrplätze im Raum Söhlingen, die Exxon-Betriebsstätte in Brockel-Bellen, eine Abwasser-Verpressstelle in Wittorf. Über dreißig Interessierte besuchten am 28.7.13 auf Einladung der Bürgerinitiative „Kein Fracking in der Heide“ die Gasfördergebiete im Kreis Rotenburg/Wümme.
Die Busfahrt, an der auch Gäste aus Lüneburg und dem Heidekreis teilnahmen, startete in Buchholz (hier sind die Bohrlöcher z.T. über hundert Jahre alt und praktisch nicht mehr zu sehen) und führte durch den Süden des Nachbarkreises, wo Exxon und RWE seit einigen Jahrzehnten Gas und Öl fördern. Seitdem werden die Hinterlassenschaften der Gasproduktion in Form giftiger Lagerstättenwässer hier in die Erde verpresst, wo sie in tausend Metern Tiefe herumwandern. Ingenieure sagen: da passiert nichts, das steigt ja nicht auf bis in grundwasserführende und Trinkwasser spendende Schichten. Die Zuverlässigkeit derartiger Berechnungen kann man im Salzstock der Asse studieren, wo täglich 12000 Liter eindringen, mit denen keiner gerechnet hatte. Wenn immer gesagt wird, dass die verpressten Lagerstättenwässer das Trinkwasser nicht gefährden, erwarten Fracking-Kritiker da heute konkretere Begründungen, warum man das jetzt glauben soll.
Die Rotenburger Bohrplätze sehen aus wie Basketballplätze in der Bronx: hohe Maschendrahtzäune mit Stacheldraht obendrauf, und flächig asphaltiert. Nur dass es hier noch diese ganzen Rohre gibt, und immer wieder die orangenen Hütchen, die auf unterirdische Pipelines hinweisen. Exxon hält seine Bohrplätze fürs Auge sauber. Wenn dann wieder einmal ein paar Badewannen Lagerstättengifte ausgelaufen sind (was immer wieder passiert), wird Tag und Nacht hinter Sichtschutzwänden in Schutzanzügen mit Atemmaske gearbeitet, um den Boden auszukoffern. Dann liegt der Bohrplatz wieder still und eingegrünt da. Ein Plakat am Zaun des Geländes weist darauf hin, dass die größte Gefahr im Sommer von den Bienen ausgeht. Die Berufsgenossenschaften (BG) warnen vor dieser Bedrohung und geben Hinweise, wie man sich schützen kann. Wie schützt man sich gegen vergiftetes Trinkwasser? BG, bitte melden!
Das Partyzelt, in dem an der Bohrstelle Söhlingen Z11 noch vor wenigen Wochen ohne jede Sicherung am Feldrand Rohre und Tanks gereinigt wurden, ist verschwunden. Die kleine Fläche ist abgesperrt. Natürlich sind hier bei den Reinigungsarbeiten keine größeren Katastrophen zu befürchten. Warum aber diese Arbeiten außerhalb des Betriebsgeländes durchgeführt werden, versteht man nicht. Es wirkt einfach überaus unprofessionell. Unprofessionalität ist aber das letzte, was wir uns von den Betreibern dieser weitgehend unsichtbar ablaufenden Produktion wünschen.

Unser Busfahrer, dessen Familie im Rotenburger Gas-Land einen Bauernhof betrieben hatte, wünscht uns zum Ende der interessanten Fahrt Durchhaltevermögen und immer wieder Motivation, sich einzumischen. Wir wünschen uns beim nächsten Mal eine Führung von Exxon – wir haben noch viele Fragen.

DSC_4062Engagierte Führung: Stefanie Prothmann erklärte die charakteristischen Seiten der verschiedenen Bohrstellen.

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Christina Juli 30, 2013 um 08:19

Allerdings… eine gelungene Demonstration von vorbildlich aufgeräumten Betriebsstätten. Jedoch die Gräben und Abflußmöglichkeiten die grün bewachsen sind lassen auch mich anderes vermuten… hatten wir nuicht noch anderes Bildmaterial von vor 4 Wochen… da waren die Stätten in Betrieb und das hat mich doch beschäftigt….

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