Heidewasser und Ölgefahren

Die Hamburger Wasserwerke fördern seit fast vierzig Jahren Trinkwasser in der Lüneburger Heide. Nachdem die ursprüngliche Vereinbarung 2004 ausgelaufen war, hatte HamburgWasser fünf Jahre gebraucht, um einen Antrag auf neue vertragliche Regelungen einzubringen. Den zog man dann angesichts von über 2000 Einwendungen und veränderter Gesetzeslage zurück und brauchte erneut sechs Jahre, um nun einen aktuellen Antrag vorzulegen. Über diesen wird voraussichtlich im Mai 2016 befunden. Bis dahin haben Bürger die Möglichkeit, ihre Einwendungen gegen den vorliegenden Entwurf einzubringen. Die BI „Kein Fracking in de3r Heide“ hat die Sachlage aus der kritischen Sicht auf die Gas- und Ölförderung im Landkreis bewertet und diese Betrachtung als Einwendung an den Landkreis Harburg gesendet:

Einwendung der BI „Kein Fracking in der Heide“ im Wasserrechtsverfahren Hamburger Wasserwerke

Mit großer Sorge verfolgt die Bürgerinitiative „Kein Fracking in der Heide“ die Vertragsverhandlungen zwischen den Hamburger Wasserwerken und dem Land Niedersachsen bezüglich der Entnahme von Trinkwasser aus der Heide für die Versorgung der Hamburger Bevölkerung. Zwei zentrale Bedenken sollen hier genannt werden, die in den vorliegenden Antragsunterlagen der Hamburger Wasserwerke nicht ausreichend berücksichtigt werden:

1. Gefährdung der Trinkwasserressourcen durch Gas- und Ölförderung
2. Nutzungskonkurrenz bezüglich der Wasservorräte zwischen Wasserversorgern und Gas- bzw. Ölförderunternehmen

Im Bereich der Wasserentnahme durch die Hamburger Wasserwerke in der Nordheide, insbesondere der Fassung Ost, besteht seit 2013 eine Aufsuchungserlaubnis für Kohlenwasserstoffe durch das Landesbergamt Hannover. Erlaubnisnehmer ist die Firma Kimmeridge Energy Management mit Hauptsitz in New York. Die Bürgerinitiative hat in Briefwechseln und persönlichen Gesprächen mit dem Geschäftsführer der Firma erfahren, dass sich deren Aufsuchung ausschließlich auf die Auffindung und Förderung von Erdöl beziehe. Auch auf der Homepage der Firma ist ausschließlich die Rede von Öllagerstätten, die (ausgehend vom Muttergestein Posidonienschiefer) erwartet werden (1).
zu 1.):
Bisher liegen keine Betriebspläne der Firma Kimmeridge vor, aus denen genauer hervorgeht, in welchen Gebieten des Aufsuchungsfeldes Oldendorf sie seismische Untersuchungen, Probebohrungen und Förderaktivitäten plant. Daher müssen entsprechende Aktivitäten im gesamten Aufsuchungsfeld erwartet werden. Weiterhin ist derzeit nicht absehbar, ob sich die Regulierungspläne der Bundesregierung weiterhin wesentlich auf Fracking bei der Gasförderung beschränken werden. In den vorliegenden Entwürfen wird über Ölförderung (auch Schieferöl) nichts ausgesagt. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass im Einzugsbereich von HamburgWasser in der Nordheide Öl gefördert wird und die Förderung möglicherweise auch durch Frackingverfahren unterstützt wird. Daraus können sich Risiken ergeben, die in den USA seit Jahren zunehmend wissenschaftlich untersucht wurden. Nachweise über Verunreinigungen von Brunnen im Bereich der Gas- und Ölförderung liegen heute vor (2). Diese Risiken müssen in der Planung der Trinkwasserentnahme berücksichtigt werden. Entsprechende Möglichkeiten, auf riskante Entwicklungen zu reagieren, sind in die Planungen aufzunehmen. Dazu gehört beispielsweise, den Zeitraum für Entnahme-Gewährungen kurz zu halten, um künftige Eingriffe durch Kommunen oder Landesregierungen nicht auf Jahrzehnte zu blockieren. Festlegungen auf bis zu dreißig Jahre sind unakzeptabel
Zu 2.)
Öl- und Gasförderung sind mit massivem Wasserverbrauch verbunden. In der Regel handelt es sich dabei um in firmeneigenen Brunnen vor Ort gewonnenes Grund- und Trinkwasser. Die Wassermenge ergibt sich zum einen aus Prozesserfordernissen (Einbringen großer Wassermengen mit chemikalischen Zusätzen zur Ölförderung), zum anderen aus der Notwendigkeit, die entnommenen Volumina durch Wasser zu ersetzen, um die Förderleistung zu ertüchtigen und um unkontrollierbare Erdbewegungen zu mindern. Firmen wie Exxon berichten von einem Wasserverbrauch zwischen 15 und 20 Tausend Kubikmeter Wasser bei Fracking-Einsatz. In der traditionellen Ölförderung hat beispielsweise die Firma Wintershall im Kreis Harburg (Feld Meckelfeld) zwei Millionen Tonnen Öl gefördert – und zusätzlich 8 Millionen Tonnen Lagerstättenwasser. Die mögliche Konkurrenz zwischen der Wasserentnahme durch HamburgWasser sowie der Wasserentnahme für Ölförderung muss in die Planungen einbezogen werden. Die Auswirkungen eines gesenkten Grundwasserspiegels auf Natur, Umwelt und Menschen können nur angemessen bewertet werden, wenn die verschiedenen Einflussfaktoren (Trinkwasserentnahme, landwirtschaftliche Bewässerung, Ölförderung, Klimawandel usw.) in ihrem Wirkzusammenhang berücksichtig werden. Die gelegentliche Erwähnung gewerblicher Wasserentnahmen im Hydrologischen Gutachten der HWW reicht da bei weitem nicht aus.
Zusammenfassung
Es besteht ein systemischer Zusammenhang zwischen der Trinkwasserentnahme in der Nordheide sowie der potenziellen Nutzung von Öl- und Gaslagerstätten. Dieser ist genauso, wie es beim Zusammenhang zwischen der Trinkwasserentnahme und den Anforderungen der Landwirtschaft (Bewässerung) sowie den Auswirkungen des Klimawandels in dem Antrag der HWW z.T. geschehen ist, in die Planungen einzubeziehen. Dieses ist nach Einschätzung der BI „Kein Fracking in der Heide“ zum derzeitigen Zeitpunkt nicht ausreichend gewährleistet. Wir lehnen daher den „Änderungsantrag auf Erteilung einer wasserrechtlichen Bewilligung“ in der vorliegenden Form ab.

(1) http://www.kimmeridgeenergy.com/germany-lower-saxony-posidonia-shale/
(2) z.B. (2.1.) Zusammenfassung von Dusseault et al.(SPE 2000):
Why Oilwells Leak: Cement Behavior and Long-Term Consequences http://www.hydrorelief.org/frackdata/references/65704543-Casing-Leaks.pdf und (2.2) Darrah e.a. (PNAS 8, 2014) http://www.hydrorelief.org/frackdata/references/65704543-Casing-Leaks.pdf).

für den Sprecherrat der BI:
Ingo Engelmann

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