Landkreis muss Wasserförderung besser schützen!

Siebtes BI-Plenum in Maschen beschäftigt sich mit Trinkwasserschutz, Fracking und Freihandelsabkommen

Die siebte Plenumssitzung der BI „ein Fracking in der Heide“ fand am Montag, 5.5.2014 im Dorfhaus Maschen statt. Siebzig Teilnehmer hatten den Weg in das Dorf zwischen Güterbahnhof, Autobahnkreuz und Ölbohrplätzen gefunden. Die Bürgermeistern Angelika Tumuschat-Bruhn begrüßte offiziell die BI und wünschte viel Erfolg bei den Bemühungen gegen Fracking. Der Landratskandidat der SPD, Thomas Grambow, war auch da, so wie die Kreistagsabgeordnete der Grünen, Lisa Bischoff.

Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag von Volker Meyer, Geschäftsführer des Wasserrversorgungsverbundes Rotenburg/Wümme. Dort wird das Trinkwasser Aus der Rotenburger Rinne gefördert, wo es in den tausenden von Jahren seiner Entstehung sauber und klar blieb. Bishr gab es nur Anzeichen für eine gewisse Nitratbelastung. Das Wasser wird oberirdisch lediglich von Eisen und Mangan gereinigt. Von Rotenburg aus wird auch Bremen mit einem großen Teil seines Trinkwassers versorgt (10 Mio m³, zum Vergleich: Hamburg fördert in der Heide derzeit ca. 15 Mio m³).

Seit Jahrzehnten rückt die Öl- und Gasförderung im Kreis Rotenburg dort den Wasserbeschaffungsverbänden auf die Pelle. Drei Bohrstellen liegen innerhalb eines Wasserschutzgebietes, die neuen Bohrungen Weißenmoor Z1 und Z2 liegen direkt an der Grenze des Trinkwasserschutzgebietes Rotenburg Süd. Noch vor wenigen Wochen stand dort der Bohrturm…

Die Rotenburger Rinne ist bereits mehrfach durchbohrt worden. Die Förderhorizonte für Öl und Gas liegen in mehreren tausend Meter Tiefe, das Grundwasser (aus dem das Trinkwasser stammt) reicht bis maximal 500 m tief. Aber bei Durchbohrungen ist natürlich immer das Risiko, dass im Lauf der Zeit das Bohrgestänge porös wird, die abdichtenden Zementmäntel zerbröseln oder auf anderen Wegsamkeiten Einträge ins Grundwasser passieren.

Um zu tun, was möglich ist, hat der Wasserversorgungsverbund seine Trinkwasserschutzgebiete neu berechnet und vor kurzem den neuen Zuschnitt abgeschlossen. Das südliche Trinkwasserschutzgebiet ist aufgrund der neuesten Gutachten über Strömungsrichtungen und –geschwindigkeiten fast viermal so groß wie früher.

Heerr Meyer berichtete auch von den Problemen mit dem Lagerstättenwasser. Es wird im Kreis Rotenburg zur Hälfte durch Rohrleitungen zu den Verpessstellen geleitet, von denen bisher keiner wusste, wo die verlaufen (Genehmigungsbehörde: LBEG). Diese Leitungen liegen etwas über einen Meter tief im Boden, also in der gleichen Ebene wie Trinkwasserleitungen. Teilweise waren sie in der Vergangenheit defekt gewesen. Allein in Sottrum wurden über eine Million m³ des giftigen Lagerstättenwassers verpresst. Die Wasserversorger sehen mit großer Sorge, das keine wirkliche Sicherheit für die Sauberkeit des Trinkwassers gewährleistet ist (s. Stellungnahme http://www.wvv-rotenburg-land.de/sites/default/files/Aktuelles/pdf/Stellungnahme_Fracing_WVV.pdf)

Herr Meyer berichtete von einem Kartoffelbaueren in der Gegend, der aufgrund unsicherer Verhältnisse mit dem Lagerstättenwasser im Bereich seiner Anbauflächen den existenziell wichtigen Liefervertrag mit einer großen Pommes-Frites-Firma verloren hatte. Die Pommes-Produzenten wollten den Ruf ihres Produkts nicht gefährden. Mittlerweile hat der Bauer auf freiwilliger und vertraulicher Basis eine Entschädigung der Gas-Firma erhalten. Öl- und Gasförderung und Bauern sind geborene Widersacher.

Auf Frage der grünen Kreistagsabgeordneten Lisa Bischoff erklärte Herr Meyer, die Neubemessung und rechtliche Abwicklung neuer Trinkwasserschutzgebiete dauere 3-4 Jahre. Daraus wurde deutlich: im Bereich der Heidewasserförderung, wo erst ab 2015/16 der Trinkwasserschutz in Angriff genommen werden soll (wenn der Vertrag mit HamburgWasser endlich rechtskräftig ist), besteht der notwendige Trinkwasserschutz erst ab 2018/19. Schon jetzt hat die Firma Kimmeridge in ihrem Arbeitsplan für das Aufsuchungsfeld Oldendorf (z.T. überschneidend mit dem Gebiet der Heidewasserentnahme) für das Jahr 2016 die erste Bohrung angekündigt. Die BI geht davon aus, dass dabei auch gefrackt werden soll. Das unzureichend geschützte Gebiet der Heidewasserentnahme könnte dann gefährdet sein. Den anwesenden Bürgern war vollkommen unverständlich, wie angesichts dieser Perspektive der Kreis untätig bleiben kann. Aber die Untere Wasserbehörde hält still.

In der angeregten Diskussion wurde dann über die Verknüpfungen des Wasser- und Fracking-Themas mit den aktuell verhandelten Abkommen CETA und TTIP gesprochen. Publikum und BI waren sich einig, dass erhebliche Risiken für unsere Umwelt von den Freihandelsabkommen und vor allem dem Investitionsschutz ausgehen können. Schon jetzt klagt Vattenfall gegen den Ausstieg aus dem Atomstrom und fordert Milliarden Entschädigung. Künftig könnte das zur Regel werden, wenn die von der Bundesregierung angestrebten Vereinbarungen rechtskräftig werden. Nationale Initiativen zur Erhöhung von Umweltstandards können dadurch endgültig ausgebremst werden. Für die BI „Kein Fracking in der Heide“ ist klar: wir sind gegen diese Abkommen! Sie sind nicht „enkelsicher“ – das heißt: sie machen die Welt für unsere Kinder und deren Kinder nicht sicher und lebenswert, sondern gefährden die Lebensgrundlagen künftiger Generationen.

Renate Maass von der BI berichtete über den Stand der Förderung fossiler Brennstoffe im Kreis Harburg: Es gibt zwei kleine Bewilligungsfelder in Meckelfeld und Fleestedt. In Meckelfeld gehört der Firma BEB das Feld (halb Exxon, halb Shell). Dort passiert aber nichts, die Bewilligung läuft 2015 aus. In Beckedorf bei Fleestedt wird von GDF Suez Öl gefördert (1000 t/Jahr). Das anfallende Lagerstättenwasser wird über Leitung zur Verpressstelle in der Nähe geführt. So hatte das LBEG jetzt knapp geantwortet, wenige Stunden vor der Veranstaltung. Die ersten Fragen zu diesem Thema hatte die BI im September 2013 gestellt, sie blieben weitgehend unbeantwortet. Im April hatte Renate Maass nochmal nachgehakt, und nun wissen wir ein bisschen mehr – aber noch längst nicht alles, was für uns wichtig ist, denn das LBEG lässt sich jedes einzelne Wort mühsam herauslocken.

Wie es im Feld Oldendorf weitergeht, lässt sich schwer sagen. Die Aufsuchungstätigkeit ist von der Phantom-Firma Blue Mountain Exploration auf deren real existierende Schwester Kimmeridge übergegangen. Den Aufsuchungsantrag hat die BI nach neun Monaten zähem Ringen zugestellt bekmmen – zu drei Vierteln geschwärzt. Das LBEG hatte die entsprechende Heimlichtuerei von Kimmeridge gebilligt, dagegen hat die BI nun über ihre Rechtsanwältin Widerspruch eingelegt. Gegen den Schulterschluss von Wirtschaft und LBEG, so er Eindruck der BI, kommt man oft nur mit rechtlichen Schritten weiter.

Die Unterstützung der Bevölkerung, die sich auch in den immer wieder überraschenden Teilnehmerzahlen bei den Veranstaltungen der BI zeigt, macht der BI Mut, weiter gegen die Gefährdungen unserer Umwelt und unserer Gesundheit anzugehen.

(Ingo Engelmann)

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