Naturschutz und Wasserschutz gehören zusammen

Der Landkreis Harburg hat eine lässige Art, Wasserschutzgebiete der aktuellen Situation anzupassen. Auf dieser Homepage wurde schon vor einem Jahr auf die Ankündigungen hingewiesen, die der Landkreis bereits 12 Jahre zuvor gemacht hatte: „Im Umweltbericht des Kreises Harburg aus dem Jahr 2001 hieß es: bisher sind ca. 12% der Fläche des Kreises als Trinkwasserschutzgebiet ausgewiesen. Weitere „Ausweisungen für Wasserschutzgebiete (seien) vorgesehen bzw. befinden sich im Festsetzungsverfahren“, sodass der geschützte Anteil an der Fläche des Landkreises sich auf 30% erhöhen werde.“ Davon ist bis heute nichts umgesetzt worden.
Auf eine Anfrage der Grünen im Kreistag zum Thema „Wasserschutz und Fracking“ wurde im Juni 2014 von der Kreisverwaltung erneut die unverbindliche Ankündigungspolitik praktiziert. Man versteckt sich hinter nichtssagenden (und unzutreffenden) Aussagen des Landesbergamtes, die man durch simple Nachfragen hätte korrigieren können (siehe Anmerkung 1). Man plant und arbeitet, aber Zeitfenster oder Terminfestlegungen sind nicht angegeben. Einige neue Wasserschutzgebiete seien „bereits in der Bearbeitung“.
Jetzt hat Herr Zimmermann, Geschäftsführer des Vereins Naturschutzpark VNP (also der oberste Haidjer) laut Hamburger Abendblatt beim Tag der Offenen Tür des Wasserwerks Nordheide am 20.September 2014 darauf hingewiesen, dass der Schutz in Naturschutzgebieten eh viel umfassender sei als durch ein Gewässerschutzgebiet. Er plädiert daher für Konzentration auf den Naturschutz, statt immer nach Gewässerschutz zu rufen.

Das überrascht ein wenig: Das Wasserhaushaltsgesetz regelt den Schutz von Grund- und Trinkwasser. Der Naturschutz regelt den Schutz von Pflanzen, Tieren und Landschaften oberhalb des Grundwassers. Es macht wenig Sinn, diese Schutzbereiche gegeneinander auszuspielen.
Und es macht noch weniger Sinn, weil aktuell das angeblich geplante Fracking-Verbot in Naturschutzgebieten und Natura-2000- Gebieten schon im Vorwege ausgehöhlt werden soll.
In einem Eckpunktepapier hatten Wirtschaftsminister Gabriel und Umweltministerin Hendricks angekündigt, in Naturschutzgebieten und Natura 2000-Gebieten werde Fracking nicht genehmigt. Heute berichtet die Frankfurter Rundschau, diese Regelung sei in den Verhandlungen der Berliner Regierungskoalition gerade zerpflückt worden:
„Davon weicht jedoch das nun bekanntgewordene Papier in wesentlichen Punkten ab: Fracking wird in sogenannten Natura 2000 Gebieten nicht mehr vollständig ausgeschlossen. In jenen von der Europäischen Union ausgewiesenen Schutzgebieten soll die Fördertechnologie allenfalls in Schiefer- und Kohleflözgestein verboten seien. Darüber hinaus wird auch der Einsatz „allenfalls leicht wassergefährdender Frackflüssigkeiten“ erlaubt.“
http://www.fr-online.de/energie/fracking-regeln-fuer-fracking-aufgeweicht,1473634,28521490.html
Da werden sich manche Naturschützer dann aber ganz schön umgucken. Im Aufsuchungsfeld Oldendorf liegen nach Angaben des Landkreises 36 Brunnen für die Trinkwasserversorgung im Landkreis Harburg sowie 18 Brunnen der Hamburger Wasserwerke. Im Jahr werden in diesen Brunnen ca. 14 Millionen m³ Trinkwasser gefördert. Es wäre schön, wenn dieses Wasser auch in den kommenden Jahren noch genießbar wäre.

https://www.landkreis-harburg.de/portal/seiten/schutzgebiete-im-landkreis-901000414-20100.html
http://www.abendblatt.de/hamburg/harburg/article132397729/Wasserwerk-Nordheide-laedt-zur-Besichtigung-ein.html
Anmerkung 1: Das LBEG teilt dem Landkreis mit, Bohrvorhaben im Rahmen der Aufsuchung seien im Feld Oldendorf nicht bekannt. Dem widerspricht der Arbeitsplan der Aufsuchungsfirma Kimmeridge, Das weiß das LBEG ganz genau, und dem Kreis liegt der Plan ebenfalls vor. Es sind Probebohrungen ohne und mit Fracking geplant, die aber im nächsten bzw. übernächsten Jahr ein gesondertes Bewilligungsverfahren durchlaufen müssen. Schon 2012 führte Exxon im Südbereich des Feldes Oldendorf eine seismische Untersuchung durch.
(Ingo Engelmann / Renate Maaß)

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