NDR-Film hinterlässt Betroffenheit und Entschlossenheit im Kampf gegen die großen und kleinen Exxons

Eine dreiviertel Stunde hat der NDR dem Thema „Gefahren durch Erdgas- und Erdölförderung“ gewidmet. Seit Jahren befasst sich die Fernsehjournalistin Alexa Höber mit dem Thema. Jo Hiller, das Gesicht von „Markt im Dritten“ führt durch die Sendung und spricht mit Anwohnern, Politikern, Behördenvertretern, Ärzten. Die einzigen, mit denen er nicht sprechen kann, sind die Firmen – sie verweigern sich durch die Bank. Exxon, DEA, Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie lehnen Interviews ab. Herr Löwer, Geschäftsführer des Bundesverbandes, nimmt auf der BVEG-Homepage am Tag nach der Ausstrahlung beleidigt Stellung und heuchelt: „Unsere Basis für einen sachbezogenen Dialog ist der transparente Umgang mit fundierten, wissenschaftlich nachvollziehbaren Fakten und der respektvolle Umgang miteinander.“ (1)Tatsache ist vielmehr: Die Firmen meiden den Dialog, wo sie können. Sie drücken sich vor sachbezogenen Konflikten. Transparenz verschwindet immer hinter dem Hinweis auf Betriebgeheimnisse. Und respektvoller Umgang – da bleibt einem die Spucke weg.

Tatsächlich ist ein Fernsehbericht zu sehen, der sich an Interessen orientiert: den Interessen der Zuschauer, der Menschen im Einzugsgebiet, deren Heimat durch die Firmen vergiftet wird, deren Angehörige an nicht geklärten Ursachen erkrankt und einige auch schon verstorben sind. Die Aufzählung der Störfälle, der Industrie-Lügen und der menschlichen Tragödien macht Leute am Fernsehapparat wütend, anderen kommen die Tränen, manche verlieren den Mut. Wir leben im Wohlstand, und dieser Wohlstand ist auf technischen Fortschritt und auch auf Gas und Öl gebaut. Viele haben sich immer wieder damit beruhigt, dass eine Industrie, die technische Großleistungen vollbringt, auch alles tut, um die Folgen zu minimieren und nicht nur den Wohlstand zu mehren (nicht zuletzt den der Firmen). Vielmehr würde sie doch sicher auch alles tun, um die Gesundheit der Menschen zu schützen und Technikfolgen abzufedern. Wir müssen feststellen: Die Firmen tun nur das, wozu sie mit Nachdruck und in aller Klarheit gezwungen werden. Das beginnt bei Dingen wie der Gaspendelung, um Entweichen belastender Gase bei Tankbefüllung etc. zu vermeiden, und die auf Tankstellen seit langem vorgeschrieben ist – in der Gasindustrie (Lagerstättenwassertanks) nur zögernd eingesetzt wird. Das geht weiter bei Monitoring verschiedener Gefährdungsparameter, das die Firmen der Aufsichtsbehörde zuschieben möchte, obwohl es ihre eigene Aufgabe sein sollte, und das Landesbergamt LBEG spielt mit. Das geht bis zum Leugnen bewiesener Tatsachen – Exxon war jahrzehntelang Vorreiter der Desinformationskampagne, durch die die Erderwärmung und Risiken der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen geleugnet wurden. Noch ist unklar, ob sich die Erde davon erholen kann. Nicht zuletzt drückte sich die Industrie bis vor kurzem, die Verantwortung für die zunehmenden Erdstöße zu übernehmen, die nun auch in der Region Rotenburg angekommen sind. Ob künftig der Normalbürger besser geschützt ist vor den materiellen Schäden, die hier entstehen, bleibt abzuwarten. Bisher hat die Industrie noch immer ein Schlupfloch gefunden. Die Liste ließe sich mühelos erheblich verlängern.

Das Landesbergamt spielte auch in dem Fernsehbeitrag seine bekannte Rolle. Herr Sikorski deutet rechtliche Schritte angesichts bestimmter Störfälle an (so nebulös, dass sich davon keiner etwas kaufen kann), bittet um Überlassung der Befunde, die das Fernsehteam ermittelt hatte (Quecksilber in Pilzen etc.), vertröstet aber ansonsten nur mit dem über Jahre angelegten Untersuchungsplan seiner Behörde – und hat ansonsten natürlich nicht den blassesten Schimmer, warum immer alle anderen (BIs, Medien, Uni-Institute) Schadstoffe finden, nur das LBEG nicht.

Besonders bedrückend waren die Passagen des Beitrags, in denen es um die erkrankten Menschen geht. Es fällt schwer, diese nicht zu instrumentalisieren im Kampf gegen die Profiteure der Gas- und Ölwirtschaft. Umso besser, wenn die Betroffenen sich selbst zu Wort melden (wie zum Beispiel mit ihrem Sprachrohr, dem Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkrankheiten GENUK e.V.). Der Bericht gab der Betroffenheit Gesichter und emotionales Gewicht.

Man kann den Bericht in der Mediathek des NDR ansehen:

http://www.ndr.de/fernsehen/epg/import/Verschmutzen-und-verharmlosen,sendung626226.html

(1) http://www.bveg.de/Der-BVEG/News-und-Lesetipps/Skandalisierung-ohne-News

(Ingo Engelmann)

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Den Ausführungen Dr. Löwers ist im Wesentlichen beizupflichten.

    Wir selbst sind dabei, den Beitrag des NDR mit seinen Auslassungen und Dramatisierungen, der Verleugnung von wissenschaftlich fundierten Untersuchungen, zu analysieren und zu kommentieren.

    Allein unbedarfte Mitbürger mit irgendwelchen Bildern einer Ölförderanlage zu konfrontieren, die letztendlich auch aufgrund der Reaktionen die Unauffälligkeit dieser belegen, als Beweis für angebliche Verschmutzungen und Verharmlosungen anzuführen, ist an Absurdität kaum zu übertreffen.

    Ansonsten wartete der Beitrag mit Altbekanntem auf, welches schon in der Vergangenheit einer kritischen Analyse nicht standhalten konnte.

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