Fracking-Revival verhindern!

Die Bundesregierung behauptet, durch neue Vorschriften und Gesetzesänderungen Fracking faktisch verboten zu haben. Vor einem dreiviertel Jahr titelten die Medien bundesweit: „Koalition einigt sich auf unbefristetes Fracking-Verbot“ (so zum Beispiel die Berliner Morgenpost) oder „Bundestag setzt Fracking-Verbot durch“ (so der Fernsehsender N24). Das war falsch. Aber es war das Ziel der Regierung: Die Bevölkerung sollte eingelullt werden.

Faktisch ist in fast allen Fördergebieten in Niedersachsen Fracking weiterhin erlaubt. Hier wird zu einem großen Teil Tight Gas gefördert, aus Sandstein. Und da darf weiterhin gefrackt werden. Es bedarf eines Antrages, der dann erörtert werden muss. Das Verfahren ist für das zuständige Landesbergamt Neuland. Bisher hatte es vergleichbare Verwaltungsverfahren in großer Wirtschaftsfreundlichkeit durchgewunken. Wenn hier nicht durch die Bevölkerung und die Bürgerinitiativen massiv dagegen gehalten wird, gibt es in den nächsten Jahren eine Flut neuer Fracking-Einsätze. Hat sich was mit „Fracking-Verbot“.

In früheren Jahren wurde im niedersächsischen Sandstein schon ca. 350 mal gefrackt. Im Vergleich zu den Frack-Paradies USA ist das ein Klacks. Ob es aber ungefährlich war, bleibt völlig offen: Man müsste über Ausgangswerte vor dem Fracken verfügen, über Monitoring-Daten und eine enge Überwachung von Boden, Grundwasser und Luft. All das gibt es nicht. Und so kann man es einfach nicht bewerten. Solange aber die erhöhten Krankheitsfälle bis hin zu tödlich verlaufenen Krebserkrankungen im Umfeld der Gasförderung nicht geklärt sind, stehen Gasförderung und Fracking weiter im Verdacht. Das deutsche Wasserrecht kennt den Besorgnisgrundsatz: Beeinflussung des Grundwassers setzt voraus, dass eine negativer Einwirkung auf das Wasser nicht befürchtet werden muss. Diese Besorgnis reicht als Grund, Maßnahmen zu verbieten. Und besorgt sind wir (auch wenn die Juristen das etwas anders meinen als wir Bürger). Und Besorgnis über die Gesundheit der Bürger sollte mindestens ebenso hoch stehen wie Besorgnis über den Gewässerzustand.

Fracking ist aber auch ein technisches Verfahren, das sich in unserer Umgebung einzunisten droht – nicht nur in der Erdgas- und Ölförderung. Beispiel 1: Tiefengeothermie. Das ist ein Zauberwort, das viele fasziniert. Es hat einen sauberen Klang, und in Deutschland verfügen wir über viel Erfahrung mit der oberflächennahen Geothermie, und das klappt dort gut. In geschlossenen Kreisläufen wird Wasser in bis zu einhundert Metern gebracht, erwärmt sich dort durch die natürliche Erdwärme und oben kann man diese thermische Energie abnehmen und verwerten.

Bei der Tiefengeothermie geht man aber in viel größere Tiefen von bis zu mehreren tausend Metern. Dort trifft man auf Gestein, das die Erdwärme nicht so ohne weiteres hergibt. Es muss aufgebrochen werden, um den Fluss von Wasser oder anderen Wärmeträgern zu ermöglichen. Und wie bricht man Gestein in dreitausend Meter auf? Natürlich durch Fracking, das heißt mit Hilfe von Chemikalien und extrem hohem Druck. Mit allen damit verbundenen Risiken für Boden und Wasser.

Abgesehen davon, dass Tiefengeothermie bisher selten erforscht und noch seltener zum Laufen gebracht werden konnte, ist in unserer Region davon auszugehen, dass das gar nicht funktionieren kann. Der hohe Salzgehalt in größerer Tiefe führt zu ständigem Verstopfen der Rohrleitungen. Das war auch die Erfahrung der Bundesanstalt für Geowissenswchaften und Rohstoffe, die 2011 in Hannover eine geothermische Modellanlage installieren wollte. Das ambitionierte Projekt musste abgebrochen werden. Dass diese Tiefengeothermie-Bohrung in 3600 m Tiefe ebenfalls gefrackt wurde, ist dem Kartenserver des Landesbergamtes zu erntnehmen. Was nach den Pleiten geothermischer Projekte im norddeutschen Raum  die im Landkreis Harburg neu auftretende Ölförderfirma RDG dazu veranlasst, von einer Nachnutzung ausgeförderter Lagerstätten für Tiefengeothermie zu plaudern, ist unverständlich. Und ob die RDG-Behauptung, sie würden nicht fracken, auch für ihre Geothermie-Wolkenkuckucksheime gelten soll, ist unklar.

Beispiel 2: Leaching. Ingenieure hatten die spannende Idee, statt im Bergwerk zu den mineralhaltigen Erzen runterzuklettern und viel Abraum mit nach oben zu holen, gleich unten die Mineralien und Metalle aus dem Gestein zu lösen. Dazu braucht man viel Chemie, vor allem Säure. Dabei geht es vor allem um Salzsäure – aber sogar Flusssäure soll zum Einsatz kommen, die noch wesentlich gefährlicher ist. In Sachsen arbeitet man seit 1990 Jahren an der Sanierung eines Bleaching-Standorts (Königstein). Dort war uranhaltiges Gestein durch chemische Verfahren behandelt und das Uran an die Oberfläche gebracht worden. Der hohe Säuregehalt machte eine Flutung des vormaligen Bergwerks unmöglich, seit fast dreißig Jahren muss dort kontinuierlich abgepunpt und dekontaminiert werden, dabei fallen noch heute 50-60 Tonnen Uran im Jahr an, Ende unbekannt.

Das Biomore-Projekt (EU-gefördert) weist darauf hin, dass Leaching eine Kombination aus chemische Behandlung und „chanelling“ sei. Hinter diesem Wort verbirgt sich nichts Anders als das Aufbrechen von Gestein durch Chemie und Druck. Wir nennen das Fracking.

Beispiel 3: Die Bohrloch-Aufwältigung. Wenn eine Lagerstätte nicht mehr so sprudelt wie erforderlich, wird sie „aufgewältigt“. Sie wird aber auch gängig gemacht, wenn sich die Rohre zusetzen und verschmutzen. Die Übergänge von normaler Wartung zu technischer Förderleistungserhöhung sind absolut fließend. Wenn Bohrfirmen immer treuherzig behaupten, mindestens einmal im Jahr sei ein Frühjahrsputz erforderlich, dann kann sich dahinter eine massive Aufwältigung verbergen. Da kommt Chemie zum Einsatz, die man zumindest in diesen Mengen (tonnenweise) im Haushalt nicht haben möchte. Da wird Gas abgefackelt oder kalt einfach rausgeblasen, nicht immer mit vorgeschalteten Filteranlagen. Das ist noch nicht Fracking im engeren Sinne. Aber es handelt sich um Techniken, die damit eng verwandt und den üblen Seiten des Frackings absolut ebenbürtig sind.

Fazit: Fracking ist noch lange nicht vom Tisch, aber neben Fracking lauern viele, zum Teil sehr ähnliche Risiken bei der Gas- und Ölförderung. Daher sind wir so misstrauisch gegenüber beliebigen Floskeln bei Aussagen von Förderfirmen und bestehen auf detaillierten Informationen über Arbeits- und Betriebspläne. Daher haben wir Engie, RDG und das LBEG (NUIG-Anfrage) sowie die zuständigen Landesministerien erneut angeschrieben und werden das wiederholen, bis wir endlich Antworten in den Händen halten.

 

B NUIG RDG 2.5.17  (Anfrage nach Niedersächsischem Umweltinformationsgesetz beim Landesbergamt)

B Engie Brieske 2.5.17 (Nachfrage an Engie E&P)

(Ingo Engelmann)

Engie: Bewilligungen laufen aus – Aufklärung über Unregelmäßigkeiten gefordert

Aufklärung über die Zwischenfälle bei Engie, die vor acht Jahren zur Verfüllung von den drei im Landkreis Harburg liegenden Bohrstellen geführt haben, ist bisher ausgeblieben. Neue Ungereimtheiten sind aufgetaucht. Es ist von verstärktem Interesse, diese Fragen zu beantworten, weil die Bewilligungen der Bohrstellen Meckelfeld-West 1a und 4a zum 31.05.2017 auslaufen, die der Bohrstelle Sottorf-Ost 3a zum 30.11.2017. Im Februar hatte das Landesbergamt auf Anfrage mitgeteilt, es lägen keine Verlängerungsanträge für diese Bergbauberechtigungen vor. Dabei wird es aber wohl kaum bleiben. Bevor das LBEG hier leichtfertig Verlängerungen ausspricht, erwarten wir die geforderte Aufklärung. Die Beantwortung unserer schriftlichen Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz vom 27.03.2017 ist überfällig, die gesetzliche Frist zur Beantwortung ist vor einer Woche abgelaufen.

Engie hatte auf die Fragen der BI nur wenig aussagekräftig geantwortet (wir berichteten). Offen blieben viele Fragen: Was hatte zu dem Eindringen von Wasser in die sog. „Futterrohrtouren“ geführt? Woher nimmt Engie die Gewissheit, dass nur Flüssigkeit eingedrungen ist, aber nichts ausgetreten? Gab es entsprechende Untersuchungen (oder sind es nur Schlussfolgerungen aufgrund der Druckmessungen)? Warum wiederholt Engie falsche Jahresangaben immer wieder, schon im Unternehmensbericht 2009 und wieder im aktuellen Schreiben an die BI?

Diese Jahresangaben sind nachweislich teilweise falsch. Engie gab im Unternehmensbericht 2009 an, die drei teilverfüllten Bohrungen würden im Jahr 2010 abgelenkt neu gebohrt. Tatsache ist, dass eine Bohrung bereits 2008 verfüllt und neu gebohrt wurde (Meckelfeld-West 4a). Die anderen beiden dann im Jahr 2010. Das geht aus den offiziellen Angaben im nibis-Kartenserver des Landesbergamtes hervor. Wir wissen nicht, ob das wichtig ist oder nicht. Wir wissen nur: Das Misstrauen gegenüber Firmen wie Engie ist groß. Und Ungereimtheiten lassen Fragen aufkommen, was denn da vertuscht werden soll.

Engie ist ja kein unbeschriebenes Blatt, was das Vertuschen von Umweltschädigungen betrifft. In der Altmark bei Salzwedel (Sachsen-Anhalt) hatte Engie (damals noch unter dem alten Namen GdF Suez) mit den zahlreichen Förderstellen, die sie aus dem Bestand der DDR-Ölförderung erworben hatte, auch einen Teich bei Brüchau übernommen. Schon seit über zehn Jahren wusste Engie durch Gutachten, dass aus diesem als Deponie missbrauchten Teich giftige und radioaktive Stoffen versickerten und zum Teil schon das Grundwasser erreicht hatten. Das führte nicht zu sofortigen Sanierungsmaßnahmen, sondern zu endlosen Planungs- und Vertuschungsprozessen. Derweil wurde der Teich nach Recherchen des WDR weiterhin auf Listen geführt, mit denen Firmen gelockt werden sollten, die radioaktiv oder anderweitig kontaminierten Müll loswerden wollten. Bis heute werden von Engie und dem durch vertragliche Verpflichtungen mitbetroffenen Land Sachsen-Anhalt lediglich kosmetische Maßnahmen (Teichabdeckung) angeboten, statt endlich eine restlose Beseitigung des Giftmülls in Gang zu setzen. Das erhöht das Vertrauen in Engie nicht. Und auch nicht in die staatlichen Behörden…

Bisher wissen wir nicht, wie weit die Ablenkbohrungen im Kreis Harburg sich von der Bohrstelle entfernen. Wenn wir die für Laien kaum verständlichen Kürzel im Kartenwerk des LBEG richtig interpretieren, könnte es sich bei der Bohrung auf dem Betriebshof von Engie am Seevetaler Postweg um eine Ablenkung von über 600 Meter handeln. Dann wäre der Entnahmeort für das Öl  je nach Richtung der Ablenkung (die bisher auch verschwiegen wird) locker unter der „Käfersiedlung“ in Hamburg Sinstorf und auch unter der dort angesiedelten Kreativbrauerei Kehrwieder. In der anderen Richtung reicht das nahe an das Trinkwasserschutzgebiet Woxdorf, das einen Kilometer von der Bohrstelle entfernt beginnt. Die Bohrung Meckelfeld-West 1a reicht entweder unter die Siedlung Jesdal (dort wird gerade ein neuer Bebauungsplan erstellt) oder unter das neue Sportzentrum des TuS Fleestedt.

Vom Landesbergamt wünschen wir uns nun einen transparenten Entscheidungsprozess über die Verlängerung der Bewilligungen zur Ölförderung – oder deren Beendigung.

 

(Ingo Engelmann)

 

Erinnerung: Ostermarsch gegen Fracking Sonnabend, 15.4.2017 in Rotenburg/Wümme

Die Erdgas- und Erdölindustrie ist bereit für den „Neustart“. In den letzten Jahren wurde nur „ganz normal“ gefördert, ohne Fracking, mit den alltägliche Normal-Störfällen und normalen Grenzwertüberschreitungen bei Giftstoffen. „Neustart“ nach Inkrafttreten des Fracking-Regulierungs-Pakets kann nur bedeuten: Es soll wieder gefrackt werden, wo die neuen Regelungen das nicht ausdrücklich verbieten. Im Sandstein also, der vielfach sehr viel fester ist, als es der Begriff „Sand“ suggeriert.

Die Bürgerinnen und Bürger gegen Fracking sind aber nicht der Frühjahrsmüdigkeit erlegen. Wie schon im letzten Jahr treffen sich BIs und andere engagierte Menschen am Ostersonnabend in Rotenburg/Wümme, um gegen Fracking und riskantes Gasbohren zu demonstrieren. In der guten Tradition der Ostermärsche soll ein Zeichen gesetzt werden für eine Lebensweise, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Wenn wir ein vorschnelles Ende dieser Welt durch völlige Entgleisung des Klimas verhindern wollen, müssen wir auf fossile Energieträger verzichten. Kohle, Erdöl, Erdgas – das muss in der Erde bleiben.

Es passiert dauernd etwas

Angeblich ist das Gasbohren ja kontrollierbar, die Ingenieure werden es schon richten. Ein kleiner Blick in die Runde lässt Zweifel aufkommen. Bei Wittingen hat vor wenigen Tagen eine Nassölleitung der Firma Exxon über 1000m² Ackerland versaut. Laut Landesbergamt sollen ca. 8m³ Nassöl ausgetreten sein – das entspricht einem Gemisch aus ungefähr einem Kubikmeter Rohöl und sieben Kubikmetern Lagerstättenwasser. Bei einer Betriebsbegehung sagte neulich ein Bergdirektor des LBEG beschwichtigend: Wenn einer der Großtanks ein Leck hat, kann man das mit der Schippe aufnehmen, das versickert nicht. Beim Mischungsverhältnis Lagerstättenwasser mit zehn Prozent Öl muss man aber ordentlich auskoffern, und wieviel nun im Grundwasser ankommt, ist offen.

In Leer ist kürzlich bei einem Bohrplatz der Engie eine erhöhte Quecksilberkonzentration festgestellt worden. Das LBEG hat informiert und angekündigt, der verunreinigte Boden müsse „gegebenenfalls“ saniert werden.

Kontrolliert werden soll der Gas- und Ölförderbetrieb laut Politik auch durch die neuen UVP-Bestimmungen. In Umweltverträglichkeitsprüfungen wird unter Beteiligung der Öffentlichkeit geprüft, ob eine Gefährdung der Umwelt durch ein Industrieprojekt vorliegen könnte. Der Rechtsvertreter des LBEG äußerte kürzlich auf einer Anhörung lt. Pressebericht, die UVP-Prüfung werde völlig überbewertet, es komme in einem geregelten Verfahren ja sowieso alles auf den Tisch. Warum haben sich die Politiker und Behörden denn überhaupt auf diese überaus komplexe UVP-Richtlinie geeinigt? Wenn doch sowieso immer alles seinen geordneten Weg geht?

Der geordnete Weg bedeutet im Fall der Reinigungsanlage in Bellen (Kreis Rotenburg), wo Exxon Rohre und Flüssigkeiten dekontaminieren will, dass seitens des LBEG eine UVP-Pflicht nicht gesehen wird. Alles andere hätte auch überrascht. Regelmäßig kann man im niedersächsischen Gesetz- und Verordnungsblatt oder auf der Webseite des Landesbergamtes die Mitteilungen lesen, für welche Projekte das LBEG mal wieder entschieden hat, dass eine UVP nicht erforderlich sei. Mal handelt es sich um die Entnahme von einer Million Kubikmeter Trinkwasser im Jahr, die Exxon in Emden für seine Gasförderung braucht (2013), mal um den Bau und Betrieb einer Reststoffbehandlungsanlage mit Installation zweier Flüssigkeitstanks und dem Bau einer Bereitstellungshalle in Bellen (2015), mal um die dauerhafte Weiterführung einer Bodenfackel (2015) oder die Bohrung einer Lagerstättenwasser-Versenkstelle (2017) usw. usw., die Listen füllen Seiten um Seiten. Viel Routine, viele Kleinigkeiten – und in Einzelprojekte aufgesplittete Vorhaben, deren Tragweite schwer zu ermessen ist. Ein scharfes Schwert scheint die UVP-Drohung derzeit nicht zu sein.

Und wenn Bürger etwas über zurückliegende Störfälle erfahren möchten, laufen sie ins Leere. Unsere Fragen nach den Vorkommnissen bei drei Bohrungen der Engie im Landkreis Harburg, die 2010 teilverfüllt wurden, nachdem die Bohrungen undicht geworden waren, sind bisher unbeantwortet. Engie schreibt, es sei alles in Ordnung (aber was war denn nun wirklich los??!!), der Landkreis weiß von nichts, das LBEG braucht mal wieder am längsten und hat noch nicht geantwortet.

Aus all diesen Gründen bleiben wir aufmerksam und lassen nicht locker. Am 15.4.2017 treffen wir uns in Rotenburg und melden uns zu Wort. Das ist ja wohl das Mindeste.

Treffpunkt: Berufsbildende Schulen Rotenburg/Wümme, Verdener Straße 96

Zeit: Sonnabend, 15. April 2017, 11 Uhr Treffpunkt – Kundgebung gegen 13 Uhr in der Innenstadt

Quellen:

http://www.bveg.de/News/Jahrespressegespraech-2017

https://www.az-online.de/isenhagener-land/wittingen/waessriges-stroemt-acker-8097522.html

http://www.lbeg.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/erdgasfoerderplatz-leer-z5-orientierende-bodenuntersuchung-ergibt-erhoehten-quecksilberwert—manahmen-eingeleitet-152318.html

https://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/bothel-ort120353/viele-fragen-aber-wenig-antworten-8082901.html

http://www.lbeg.niedersachsen.de/bergbau/genehmigungsverfahren/umweltvertraeglichkeitsvorpruefungen/94697.html

https://www.facebook.com/groups/1399461633601941/

(Ingo Engelmann)

Schutz des Trinkwassers vor Fracking: Vorbild Rotenburg

Im Kreis Rotenburg/Wümme gibt es eine große Koalition aus Wasserversorgern. Kommunalpolitik und Bürgerinitiativen zum Schutz der Trinkwasservorräte. Ein ausführlicher Bericht in der Lokalzeitung schildert die Szenerie:

Die Wasserversorger und die Stadt Rotenburg sind besorgt (…) Reinhard David und Volker Meyer wollen das „unterirdische Juwel“ schützen. Die Geschäftsführer der Rotenburger Stadtwerke und des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land versorgen mit ihren Unternehmen rund 100 .000 Menschen in der Region mit Wasser. Das stammt aus der Rotenburger Rinne, einem eiszeitlichen System in einer Tiefe von rund 300 Metern, das sich zwischen der Elbe und Aller erstreckt. 500. 000 Menschen werden insgesamt mit Wasser von dort versorgt.

(…) Die Bundesgesetzgebung bleibt schwammig, in welchen Schutzzonen Fracking und Co. verboten sind, und die neuen Raumordnungsprogramme im Landkreis und auf Landesebene sind noch nicht ausformuliert. Zudem gibt es ein Gerangel um Zuständigkeiten, wer nun was verbieten könnte. David: „Das ist suboptimal.“ Bislang heißt es im Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP), dessen zweiter Entwurf im Mai vorgestellt werden soll: „Mit unserem Antrag wollen wir weiträumig die ,Rotenburger Rinne‘ und damit unser Trinkwasser schützen. Durch ein Fracking-Verbot in ,Vorranggebieten für die Trinkwassergewinnung‘ wird dem umfassend Rechnung getragen. Dies berührt nicht die Erdgasförderung in weiten Teilen des Landkreises Rotenburg.“ Kein Fracking in Vorranggebieten – eine politische Absichtserklärung im Landkreis. Und selbst um die Abgrenzungen der Vorranggebiete, die sich bislang nicht auf das gesamte Reservoirgebiet der Rotenburger Rinne beziehen, gibt es noch politisches Gerangel. Zudem wird laut Regionalplaner Rainer Meyer noch in Abstimmung mit verschiedenen Fachbehörden geprüft, ob das RROP bestimmte Technologien zur Gewinnung von Bodenschätzen – wie Fracking – ausschließen darf und eine entsprechende Regelung als Grundsatz oder Ziel der Raumordnung dargestellt werden müsste.

(…) Tatsächlich gibt es allein im Wasserschutzgebiet der Stadtwerke mit seinen acht Brunnen drei aktive Erdgasförderanlagen. Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität hätten sich dadurch noch nicht ergeben, sagt David. „Es gibt keine Auffälligkeiten – Gott sei Dank.“ Regelmäßig führten die Stadtwerke insbesondere an den Förderstellen besondere Kontrollen durch. Doch lasse sich aus diesem Befund nicht folgern, dass das auch immer so bleibe. 

„Müssen wir das Wasser erst schmutzig machen, um es besser zu schützen?“, spielt Meyer auf die Notwendigkeit größer angelegter Schutzgebiete an. Denn, da sind sich beide Wasserversorger einig: „Im Rahmen der Erdgasgewinnung bestehen erhebliche Gefahren für die weitere Trinkwassergewinnung durch Lagerstättenwasser und eingesetzte Frackingstoffe sowie das Durchbohren der Rotenburger Rinne.“

Resolution zum Fracking-Verbot verabschiedet

Der Rat der Stadt Rotenburg hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend einstimmig eine Resolution zum Fracking-Verbot verabschiedet, die sich an die Untere Wasserbehörde des Landkreises Rotenburg richtet. „Die Verwaltung wird beauftragt, den Landkreis zu bitten, als Untere Wasserbehörde ein absolutes Frackingverbot zum Schutz der Rotenburger Rinne inklusive ihrer Seitenarme sowie der Vorsorgegebiete für die Trinkwassergewinnung als Trinkwasserreservoir zu initiieren und die Landesregierung aufzufordern, von ihren gesetzgeberischen Möglichkeiten Gebrauch zu machen, das bundesgesetzliche Verbot von Fracking und Verpressen von Lagerstättenwasser in Wasserschutzgebieten generell auf Vorranggebiete für Trinkwassergewinnung auszudehnen.“ Diese Resolution diene dazu, die Gefahren der Verseuchung des Trinkwassers durch Fracking in der Rotenburger Rinne abzuwenden, heißt es in der Begründung für die Resolution.

Wie die Stadt Rotenburg bereits in ihrer Resolution vom 23. April 2013 geäußert habe, bestünden erhebliche Bedenken gegenüber Bohrungen zur Förderung von Gas sowie dem Einsatz der Fracking-Technologie, da die Risiken für den Boden sowie das Grund- und Trinkwasser aufgrund des Einsatzes von wassergefährdenden und umweltschädigenden Stoffen bei diesen Verfahren nicht abschätzbar seien. Das gelte ebenso für das Lagerstättenwasser.

Mit der neuen Gesetzgebung zum Fracking – in Kraft getreten am 11. Februar dieses Jahres – hätten sich die Regeln auch für das konventionelle Fracking verschärft. Für alle zulässigen Frackingvorhaben gelte eine Beteiligungspflicht in Schutzgebieten – unter anderem in Wasserschutzgebieten, Einzugsgebieten von Wasserentnahmestellen für die öffentliche Trinkwasserversorgung, Einzugsgebieten von Brunnen und so weiter. „Hier gibt es nunmehr ein Vetorecht für die Wasserbehörden zu allen Maßnahmen der Bergbehörden“, heißt es in der Begründung zu dieser Resolution weiter. Daher fordert die Stadt Rotenburg den Landkreis auf, als Untere Wasserbehörde ein absolutes Frackingverbot zum Schutz der Rotenburger Rinne und ihrer Seitenarme auszusprechen, weil diese als absolut schützenswertes und wichtiges Trinkwasserreservoir für die vielen Menschen in unserer Region diene.

*

Auch der Landkreis Harburg bezieht sein Trinkwasser aus den eiszeitlichen Rinnen, die sich in einhundert bis vierhundert Metern Tiefe aus der Heide in Richtung Elbe ziehen. Bei uns heißen sie unter anderem Hanstedter und Wintermoorer Rinne. Die BI „Kein Fracking in der Heide“ hatte Anregungen an den Landtag und an den Landkreis gesendet, diese eiszeitlichen Rinnen im Raumordnungsprogramm zu schützen – z.B. in einer Petition an den Landtag. Kürzlich wurde vom Präsidenten des Landtages mitgeteilt, dass die Petition im Papierkorb gelandet sei: Mit der Beratung des Landesraumordnungsprogramms sei sie als erledigt zu betrachten. Beigeheftet war die Stellungnahme des Landtages zum Raumordnungsprogramm. Darin ist die Rede von Torferhaltung, Windrädern und Flächenverlust für die Landwirtschaft. Von Fracking, Erdgas- und Ölförderung sowie dem Schutz der Trinkwasservorräte insbesondere in den eiszeitlichen Rinnen kein Wort. Auch im regionalen Raumordnungskonzept des Landkreises Harburg sind nur noch unverbindliche Floskeln enthalten. Unser Nachbarlandkreis macht vor, dass es auch anders geht. Wir werden nun die Untere Wasserbehörde des Landkreises befragen, welche Planungen zum Schutz der eiszeitlichen Rinnen es gibt. Und auch die örtlichen Wasserversorger und der Kreistag sind gefragt.

https://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/rotenburg-ort120515/exxonmobil-rotenburg-trinkwasserreservoir-soll-erdgasfoerderung-komplett-ausgenommen-werden-8007061.html

Engie, Engie – when will those dark clouds disappear…

Die Öl- und Gasfirma Engie (ehemals GdF Suez) betriebt im Landkreis Harburg drei Ölförderbohrungen und einen Betriebsplatz in Beckedorf (Seevetal). Die BI „Kein Fracking in der Heide“ nutzte ein Treffen mit dem Präsidenten des Landesbergamtes, Andreas Sikorski, um vor Ort einen Besuch bei Engie zu machen. Für die BI war von besonderem Interesse, was es mit einem Vorfall aus dem Jahr 2009 auf sich hat, der fast keine Erwähnung im weltweiten Netz findet und umso nebulöser wirkt. „When will those dark clouds disappear“ – wie die Stones in ihrem Song „Angie“ 1973 sangen. Da waren die Bohrlöcher im Feld Sinstorf ungefähr zehn  Jahre alt.

Engie hatte im Unternehmensbericht 2009 in knappen Sätzen mitgeteilt:

Nach Feststellung irreparabler Schäden an den Futterrohrtouren wurden die Bohrungen Meckelfeld-West 1 und West 5 sowie Sottorf-Ost 3 des Erdölfeldes Sinstorf zum Schutz gegen unkontrollierte Wasserzuflüsse teilverfüllt. Da hier noch ausreichendes Produktionspotential gesehen wird, sollen die drei Bohrungen 2010 abgelenkt werden.(1, Seite 24)

Im Jahr 2011 hat dann das Landesbergamt (LBEG) im Jahresbericht für die Erdöl- und Erdgasförderung erwähnt: „Im Hamburger Jura-Trog wurde in den Feldern Meckelfeld-West und Sottorf-Ost je eine Bohrung ölfündig“ (2, Seite 291). Die dritte Bohrung wurde gar nicht genannt und taucht auch in den folgenden Jahren nicht auf.

Bei dem Engie-Besuch blieben die Fragen offen, was denn damals konkret passiert war und was die Firma konkret getan hatte. Klar war nur: Es hatte einen Zwischenfall gegeben, der alle drei im Landkreis Harburg aktiven Förderbohrungen betroffen hat und dazu führte, dass die alten, senkrecht verlaufenden Bohrungen im unteren Teil verfüllt wurden und neue Bohrverläufe abgelenkt wurden. Wie weit diese reichen, wie tief sie gehen, und in welche Richtung, erfuhren die BI-Vertreter nicht. Die drei Engie-Mitarbeiter schienen bei diesem Thema wenig im Bilde, die LBEG-Vertreter wirkten auch interessiert, aber nicht kundig, und als die BI den Platz verließ, war sie nicht schlauer als vorher.

In einem Schreiben an den beim Besuch anwesenden Engie-Pressesprecher, Herrn Dr. Brieske, wünscht die BI nun Auskünfte über den Vorfall und über die Konsequenzen, die Engie daraus gezogen hat (4) . Wo es Wasserzuflüsse gibt, sind Verunreinigungen des Rohrumfeldes nicht weit. Wurden eventuelle Schädigungen des Bodens bzw. des Grundwassers geprüft, und mit welchem Ergebnis? Und auch das LBEG wird von der BI gebeten, seine Informationen oder ggf. Fragen offenzulegen.

Es hatte bei Engie im Feld Sinstorf in der Vergangenheit mehrfach Zwischenfälle mit ausgelaufenem Lagerstättenwasser gegeben. Die Firma war mit solchen Zwischenfällen nicht sehr transparent umgegangen. Die Bi wünscht sich nun einen offeneren Dialog.

Und sonst noch? Einwändige Tanks, keine Wanne, die leidigen Fackeln usw.

Bei dem Besuch waren weitere Punkte angesprochen worden: die alten Öltanks, die fehlende Befestigung des Platzes, die Rohrlagerungen in der jüngsten Vergangenheit. Am besten wurden die Engie-Interessen dabei von einem mitgereisten LBEG-Mitarbeiter vertreten. Alles entspreche den Vorschriften der AwSV und des WHG, was wir Bürgervertreter nicht vor Ort zeitnah nachprüfen konnten. Es erschien zumindest überraschend, dass die aus den frühen sechziger Jahren stammenden einwandigen Öltanks nicht einmal eine geschlossene Auffangwanne für den Fall einer Leckage aufwiesen. Ist der Bestandsschutz für Altanlagen so großzügig, dass hier keine Nachrüstung erforderlich ist – oder gibt es ggf. Ausnahmegenehmigungen der Unteren Wasserbehörde oder anderer zuständiger Stellen? Wir bleiben am Ball. Jedenfalls hat uns die Aussage des eifrigen LBEG-Direktors nicht beruhigt, man könne entweichendes Schweröl mit der Schippe aufnehmen, es dringe nicht in den Boden ein (im Unterschied zu Benzin oder Diesel auf der Tankstelle).

Die offen gelagerten Rohre mit sichtbaren Ablagerungen, die durch Wind und Regen in der Gegend hätten verteilt werden können, sind in den letzten Monaten vom Waschplatz verschwunden. Hier hat Engie aufgeräumt, das ist erfreulich. Alle lagernden Rohre sind ordnungsgemäß verschlossen. Ob Rückstände in den Boden gelangten, kann man selbstverständlich nicht sehen (und eine BI kann nicht einfach Bodenproben auf Privatgrund entnehmen). Ein ungutes Gefühl bleibt.

Die Fackel, mit der Engie Methan abfackelt, ist dem Augenschein nach öfter in Betrieb, als es der Zweck erwarten ließe: Sie sei nur dazu da, im Notfall überschüssige Gasmengen abzunehmen, wenn die Anlage überfordert sei (so waren die Angaben der Betreiber wohl zu verstehen). Abscheider für giftige Bestandteile des Gases seien nicht erforderlich, der Quecksilbergehalt liege nur wenig über dem von Trinkwasser. Es bleibt zu beobachten, wie oft diese Fackel in Betrieb ist.

Im Blickpunkt bleibt auch die Frage nach dem Rohrleitungssystem, mit dem Engie das Öl zum Betriebsplatz und das Lagerstättenwasser zu den Einpressstellen in Hamburg-Harburg leitet. Das LBEG versicherte, Engie setze ausschließlich Stahlrohre ein, die inwändig PE-beschichtet seien. Die BI hat da ihre Zweifel und wird dem weiter nachgehen.

Fazit: Eine drastisch heruntergefahrene Förderanlage (von früher 180.000 to Öl/Jahr auf jetzt 6.000 to) liegt in den letzten Zügen. Wir wurden freundlich empfangen und weitgehend auch im Verlauf so behandelt. Auf kritische Nachfragen reagierte ein LBEG-Mitarbeiter giftiger als die Engie-Vertreter. Gut, dass dieser Besuch möglich war (Auslöser war eine Einladung von Svenja Stadler, SPD-MdB, an Herrn Sikorski zu einer Veranstaltung am selben Abend, siehe dazu Presseberichte (3). Es bleiben Fragen übrig, wie das bei solchen Besuchen eben so ist. Diese sind jetzt abzuarbeiten.

(Foto: Brieske/engie)

(Ingo Engelmann)

RDG versucht es mit Worthülsen

Die Erdölaufsuchungsfirma RDG hat auf den Brief der BI „Kein Fracking in der Heide“ reagiert. Ihr Brief wird hier ausdrücklich nicht als „Antwort“ bezeichnet, weil keine der in unsererm Brief gestellten Fragen von der RDG beantwortet wurde. Was breitet RDG auf drei Seiten aus?

Erstens: Der erfreuliche Teil

„Wir können Ihnen mitteilen, dass wir ihren Vereinszweck voll und ganz unterstützen: Bei den Projekten der RDG wird kein Fracking zum Einsatz kommen“, schreibt der Geschäftsführer. Und später noch einmal: „Hydraulic Fracturing – das sogenannte Fracking – kommt bei der RDG grundsätzlich nicht zum Einsatz“.

Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Firma RDG auf Risikotechnik verzichten will. Dass unsere BI kein Verein mit Satzung und Zweckbindung ist, wird RDG noch verstehen. Es bleiben aber viele Fragen offen, denn RDG gibt keine Hinweise darauf, wie sie das machen werden und wie sie im Einzelnen vorgehen wollen. Und damit kommen wir schon schnell zum unerfreulichen Teil:

Zweitens: Der unerfreuliche Teil

Der RDG-Geschäftsführer schreibt, die Firma könne „als Hochtechnologie-Unternehmen auch kleinere Lagerstätten wirtschaftlich erschließen“. Dabei ziele sie sowohl auf die Wiedererschließung ehemals unwirtschaftlicher Ölfelder wie auch auf die Suche nach neuen Lagerstätten. Wie aber sieht das konkret aus? Wenn eine Bohrung nicht mehr ergiebig war, muss man heute etwas Anderes, Neues einsetzen, um sie wieder zum Sprudeln zu bringen. Das kann mit heißem Wasserdampf oder Gasen geschehen, mit verschiedenen Chemikalien, mit Druck oder mechanischen Mitteln. Oder eben mit Fracking, was RDG ja aber ausschließt. Unerfreulich ist der verschwommene und vernebelte Ausblick auf das, was RDG vorhat: Was unternimmt ein Hochtechnologie-Unternehmen, um Wirtschaftlichkeit herzustellen? Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Drittens: Ungedeckte Wechsel auf die Zukunft

RDG rühmt sich, mit seinem Konzept Teil der Energiewende zu sein: Wiedererschließung von Ölquellen – und Weiternutzung der Bohrungen als Geothermie-Anlagen, wenn Öl-Förderung wirtschaftlich nicht weiter möglich ist. Es handelt sich bei den Bohrlöchern um eine Tiefe von 1000 oder 2000 Meter, also Tiefengeothermie. Bisher ist in Deutschland eine Nutzung von Geothermie für Heizzwecke nur mit flachen Bohrungen (meist unter einhundert Meter tief) erfolgreich. Das läuft ganz gut. Tiefengeothermie hingegen ist wenig mehr als eine theoretische Möglichkeit. Die praktischen Hindernisse sind bisher nicht überwindbar.

  •  Vor fünf Jahren beendete die BGR (Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe) in Hannover ihr Vorzeigeprojekt GeneSys: Mit einer tiefengeothermischen Anlage sollten die Büroräume von BGR, Landesbergamt und Leipniz-Institut beheizt werden. Das groß angekündigte Projekt wurde zunächst bejubelt (wir sind in 4000 Meter Tiefe angekommen!), dann wurden Probleme berichtet (Rohre verstopfen durch unerwartet hohe Versalzung des Hitze-Transport-Mediums Wasser), dann wurde es eingestellt.
  • Die Internationale Bauausstellung in Hamburg wurde zum Anlass genommen, in Wilhelmsburg Tiefengeothermie zu installieren. Eine Firma wurde gegründet und nach Abschluss der IBA dann zur Hälfte vom Land Hamburg übernommen (Hamburg Energie). Seit den ersten deismischen Untersuchungen 2010 hörte man in den letzten Jahren nichts mehr von dem Projekt. Im Haushalt der Hamburg Energie ist es eine Art durchlaufender Posten mit zuletzt 9.000 € Verlust im Jahr, das lässt sich verschmerzen…
  • In Allermöhe hat eine Probebohrung vor fast zwanzig Jahren ergeben, dass die Erdschichten zu stark zementiert waren, so dass eine tiefengeothermische Nutzung nicht möglich war.
  • Eine Anlage in Mecklenburg-Vorpommern (Neustadt Glewe) produzierte neben der Heizleistung für 1300 Haushalte auch Elektrizität aus geothermischen Quellen, aber dieses Klein-Kraftwerk wurde nach technischem Defekt 2010 stillgelegt.

Es bleibt das Fazit: Tiefengeothermie ist bis dato keine tragfähige Grundlage für ein Unternehmenskonzept. Hier im Schreiben der RDG finden wir lediglich die Worthülse „Lagerstätten-Veredelung“ für die fiktive Weiternutzung von Förderebohrungen für Geothermie. Womit will uns RDG überzeugen, womit kann die Firma überzeugen?

Viertens: Die offenen Fragen

Wir hatten nach dem Arbeitsplan gefragt, den jede Firma beim Landesbergamt (LBEG) vorlegen muss, um Erdöl aufsuchen zu dürfen. Kimmeridge als Vorgänger der RDG hatte uns den Einblick in den Arbeitsplan weitgehend verweigert und unserer BI nur wenige ungeschwärzte Zeilen zugänglich gemacht. RDG hat unsere Frage nicht beantwortet, sie nicht einmal erwähnt. Wir wollten etwas über die Planungen seismischer Untersuchungen wissen, erfahren darüber aber ebenfalls nichts. Wir hatten nach dem Schutz der eiszeitlichen Rinnen gefragt, aus denen der Landkreis Harburg sein gutes Trinkwasser bezieht. Jede Bohrung in der Region durchbohrt die eiszeitlichen Rinnen, die in einhundrt bis vierhundert Metern Tiefe verlaufen, und Leckagen am Bohrgestänge drohen das Trinkwasser in Mitleidenschaft zu ziehen. RDG bezieht auch zu diesem Punkt mit keinem Wort Stellung. Die Fragen nach Monitoring-Konzepten für den Wasserhaushalt (die für jede Fördertätigkeit gefordert wird) übergeht RDG.

Statt dessen liefern sie uns rhetorische Gelenkigkeitsübungen. Wirtschaft und Politik weisen seit einiger Zeit gebetsmühlenartig darauf hin, in Niedersdachsen sei seit den sechziger Jahren über dreihundert Mal gefrackt worden, und es habe gar nicht wehgetan. Dabei wird zwar verschwiegen, dass das „Superfracking“ mit Einsatz viel größerer Chemikalienmengen und -arten eine Entwicklung der letzten fünfzehn Jahre ist und qualitativ auch durch die Kombination mit den horizontalen Umlenkungen der Bohrungen eine neue Stufe erreicht wurde. Frühere Fracks waren eher ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem Wumms, der da heute drin ist. Aber nun schwenkt RDG da ganz um und sagt: Kein Fracking! – ohne aber zu verraten, was stattdessen passieren wird. Denn födern wollen sie ja. Wir fanden immer plausibel, dass man am ehesten Schlimmeres verhütet, wenn man Gas- und Ölförderung in unserem Land einstellt.

RDG versucht, dem Erdöl ein neues Image zu verschaffen: Es werde benötigt, um die Energiewende voranzutreiben. Für die Produktion von Windrädern brauche man viel Erdöl. Auch Smartphones bestünden zu einem bedeutsamen Anteil aus Erdölprodukten. Unser Vorschlag: RDG könnte sich ja der Entwicklung von Alternativen zum Plastikzeitalter zuwenden. Das wäre zumindest nicht relitätsferner als die Geothermie-Träume.

Auf, auf zum Dialog!

RDG betont die Bedeutung des „Bürgerdialogs“: Er stünde „im Mittelpunkt“ (!) ihrer Aktivitäten. Da ist noch deutlich Luft nach oben. Dieser Brief ist noch kein wirkliches Beispiel für einen funktionierenden Dialog. Wir erhalten unser Angebot eines zeitnahmen Gesprächs aufrecht (darauf war RDG in dem Brief auch gar nicht eingegangen). Aus Bayern konnte man Nachrichten darüber lesen, wie rüde RDG-Seismik-Trupps mit Grundstückseigentümern umgehen, die ihnen den Zutritt zu ihrem Grund und Boden verwehren wollen. Das machte wenig Hoffnung. Aber man kann auch Nachrichten lesen über Tage der Offenen Tür auf dem Bohrplatz in Ampfing, und über eine Informationsveranstaltung mit Firmenvertretern. Eine vergleichweise informative Web-Seite wurde extra für das Projekt Ampfing eingerichtet. Das sind positive Ansätze. Wir sind gespannt, wie sich das hier im Landkreis Harburg entwickelt.

Brief RDG 7.3.17

(Ingo Engelmann)

NDR-Film hinterlässt Betroffenheit und Entschlossenheit im Kampf gegen die großen und kleinen Exxons

Eine dreiviertel Stunde hat der NDR dem Thema „Gefahren durch Erdgas- und Erdölförderung“ gewidmet. Seit Jahren befasst sich die Fernsehjournalistin Alexa Höber mit dem Thema. Jo Hiller, das Gesicht von „Markt im Dritten“ führt durch die Sendung und spricht mit Anwohnern, Politikern, Behördenvertretern, Ärzten. Die einzigen, mit denen er nicht sprechen kann, sind die Firmen – sie verweigern sich durch die Bank. Exxon, DEA, Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie lehnen Interviews ab. Herr Löwer, Geschäftsführer des Bundesverbandes, nimmt auf der BVEG-Homepage am Tag nach der Ausstrahlung beleidigt Stellung und heuchelt: „Unsere Basis für einen sachbezogenen Dialog ist der transparente Umgang mit fundierten, wissenschaftlich nachvollziehbaren Fakten und der respektvolle Umgang miteinander.“ (1)Tatsache ist vielmehr: Die Firmen meiden den Dialog, wo sie können. Sie drücken sich vor sachbezogenen Konflikten. Transparenz verschwindet immer hinter dem Hinweis auf Betriebgeheimnisse. Und respektvoller Umgang – da bleibt einem die Spucke weg.

Tatsächlich ist ein Fernsehbericht zu sehen, der sich an Interessen orientiert: den Interessen der Zuschauer, der Menschen im Einzugsgebiet, deren Heimat durch die Firmen vergiftet wird, deren Angehörige an nicht geklärten Ursachen erkrankt und einige auch schon verstorben sind. Die Aufzählung der Störfälle, der Industrie-Lügen und der menschlichen Tragödien macht Leute am Fernsehapparat wütend, anderen kommen die Tränen, manche verlieren den Mut. Wir leben im Wohlstand, und dieser Wohlstand ist auf technischen Fortschritt und auch auf Gas und Öl gebaut. Viele haben sich immer wieder damit beruhigt, dass eine Industrie, die technische Großleistungen vollbringt, auch alles tut, um die Folgen zu minimieren und nicht nur den Wohlstand zu mehren (nicht zuletzt den der Firmen). Vielmehr würde sie doch sicher auch alles tun, um die Gesundheit der Menschen zu schützen und Technikfolgen abzufedern. Wir müssen feststellen: Die Firmen tun nur das, wozu sie mit Nachdruck und in aller Klarheit gezwungen werden. Das beginnt bei Dingen wie der Gaspendelung, um Entweichen belastender Gase bei Tankbefüllung etc. zu vermeiden, und die auf Tankstellen seit langem vorgeschrieben ist – in der Gasindustrie (Lagerstättenwassertanks) nur zögernd eingesetzt wird. Das geht weiter bei Monitoring verschiedener Gefährdungsparameter, das die Firmen der Aufsichtsbehörde zuschieben möchte, obwohl es ihre eigene Aufgabe sein sollte, und das Landesbergamt LBEG spielt mit. Das geht bis zum Leugnen bewiesener Tatsachen – Exxon war jahrzehntelang Vorreiter der Desinformationskampagne, durch die die Erderwärmung und Risiken der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen geleugnet wurden. Noch ist unklar, ob sich die Erde davon erholen kann. Nicht zuletzt drückte sich die Industrie bis vor kurzem, die Verantwortung für die zunehmenden Erdstöße zu übernehmen, die nun auch in der Region Rotenburg angekommen sind. Ob künftig der Normalbürger besser geschützt ist vor den materiellen Schäden, die hier entstehen, bleibt abzuwarten. Bisher hat die Industrie noch immer ein Schlupfloch gefunden. Die Liste ließe sich mühelos erheblich verlängern.

Das Landesbergamt spielte auch in dem Fernsehbeitrag seine bekannte Rolle. Herr Sikorski deutet rechtliche Schritte angesichts bestimmter Störfälle an (so nebulös, dass sich davon keiner etwas kaufen kann), bittet um Überlassung der Befunde, die das Fernsehteam ermittelt hatte (Quecksilber in Pilzen etc.), vertröstet aber ansonsten nur mit dem über Jahre angelegten Untersuchungsplan seiner Behörde – und hat ansonsten natürlich nicht den blassesten Schimmer, warum immer alle anderen (BIs, Medien, Uni-Institute) Schadstoffe finden, nur das LBEG nicht.

Besonders bedrückend waren die Passagen des Beitrags, in denen es um die erkrankten Menschen geht. Es fällt schwer, diese nicht zu instrumentalisieren im Kampf gegen die Profiteure der Gas- und Ölwirtschaft. Umso besser, wenn die Betroffenen sich selbst zu Wort melden (wie zum Beispiel mit ihrem Sprachrohr, dem Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkrankheiten GENUK e.V.). Der Bericht gab der Betroffenheit Gesichter und emotionales Gewicht.

Man kann den Bericht in der Mediathek des NDR ansehen:

http://www.ndr.de/fernsehen/epg/import/Verschmutzen-und-verharmlosen,sendung626226.html

(1) http://www.bveg.de/Der-BVEG/News-und-Lesetipps/Skandalisierung-ohne-News

(Ingo Engelmann)

LBEG-Präsident steht in Seevetal Rede und Antwort…

…hoffen wir. Wie schon locker vorangekündigt, hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler Herrn Sikorski eingeladen, weil bei vorangegangenen Veranstaltungen nicht alle Unklarheitern beseitigt worden seien:

„Auf Veranstaltungen zum Thema Fracking, die ich in der Vergangenheit organisiert hatte, kam immer mal wieder Kritik am LBEG auf und an dessen Aufgabenwahrnehmung im Hinblick auf Betriebe der Öl- und Gasindustrie“, sagt Svenja Stadler. Daraufhin habe sie den Präsidenten des LBEG angeschrieben und um einen Termin vor Ort gebeten. „Dieser Bitte kommt Herr Sikorski jetzt dankenswerterweise nach, und ich hoffe, dass damit die ein oder andere offene Frage geklärt werden kann.“

schreibt sie auf ihrer Homepage. Die Veranstaltung findet statt

am Donnerstag, 16. März 2017, um 19 Uhr

im Fleester Hoff, Winsener Landstraße 52, 21217 Seevetal-Fleestedt.

Vor der Veranstaltung trifft Andreas Sikorski mit Vertretern der BI „Kein Fracking in der Heide“ zusammen, um in einem internen Gespräch über die Haltung des LBEG zu verschiedenen kontrovers bewerteten Themen  zu sprechen. Die Themen sind auf dieser Homepage unter dem Datum 23.2.17 veröffentlicht worden: Es geht schwerpunktmäßig um die Dokumentationspflichten der Ölfirmen und das Arbeitsprogramm des neuen Lizenzinhabers im Landkreis Harburg, RDG Niedersachsen.

 

(Ingo Engelmann)

BI befragt die neuen Ölbohrer im Landkreis Harburg

Die BI „Kein Fracking in der Heide“ hat eine Reihe von Fragen an die neue Aufsuchungsfirma RDG Niedersachsen gestellt, die die vier niedersächsischen Aufsuchungsfelder von Kimmeridge Energy aufgekauft hat. Dazu gehören auch die Felder Oldendorf Verkleinerung (überwiegend im Landkreis Harburg gelegen) und das Feld Lüneburg Verkleinerung (zu einem kleinen Teil im Kreis Harburg).Wir dokumentieren das Schreiben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit 2013 setzt sich die BI „Kein Fracking in der Heide“ mit den Plänen auseinander, im Landkreis Harburg weitere Öllager zu erkunden und zu fördern.  Das erste Jahr  war schwerpunktmäßig von der Herausforderung geprägt, herauszufinden, wer hinter dem Lizenznehmer „Blue Mountain Exploration“ stand. Dann war klar, dass wir es mit der Kimmeridge Energy LLC zu tun haben und mit ihrer deutschen Tochter Kimmeridge GmbH. Ein Briefwechsel mit Herrn McMahon sowie Gespräche mit ihm und Herrn Vieten fanden bis 2015 statt, seitdem war eine Kontaktaufnahme mit Kimmeridge nicht mehr möglich. Unsere Briefe wurden nicht mehr beantwortet.

Mit Interesse haben wir nun Kenntnis davon genommen, dass die Kimmeridge GmbH mit vier Aufsuchungserlaubnissen in Niedersachsen in den Besitz der RDG übergegangen ist. Wir wenden uns an Sie, weil zahlreiche Fragen bezüglich des Arbeitsprogramms und der weiteren Planungen offen geblieben sind.  Wir möchten Sie bitten, uns Ihren Arbeitsplan zur Kenntnis zu geben, um den Bürgern des Landkreises Harburg Aufschluss über die offenen Fragen geben zu können:

  • Wie gestaltet sich der zeitliche Ablauf der Aufsuchung? Im ursprünglichen Arbeitsplan (vorgelegt von Alliance Bernstein) waren für das Jahr 2015 seismische Untersuchungen vorgesehen, die unseres Wissens nicht stattgefunden haben. Für 2016 war eine Explorationsbohrung geplant, auch diese gab es nicht. 2017 nun soll eine Horizontalbohrung stattfinden (aus dem Arbeitsprogramm geht nicht hervor, ob dabei  Fracking-Techniken eingesetzt werden oder nicht). Wie sieht jetzt Ihr aktuelles Arbeitsprogramm aus? Wo werden Sie die Exploration aufnehmen? Sind mikrobiologische Untersuchungen geplant?
  • Plant RDG eine transparentere Firmenpolitik als Kimmeridge? Diese hatten im Arbeitsplan zwar davon gesprochen, die Öffentlichkeit über Ergebnisse zu informieren und Explorationspläne zu erläutern, aber das hatte nie stattgefunden. Es gab lediglich eine Podiumsdiskussion im Kreis Harburg, bei der die versprochenen Informationen aber nicht gegeben wurden.
  • Die Wasservorkommen bei uns in Niedersachsen sind hohen Belastungen aus Bohrlochbergbau und Kavernenspeichern, Chemikalieneintrag (auch Mikro-Plastik, Antibiotika etc.), intensiver Beregnung, hohem Gülleeintrag und dem hohem Wasserverbrauch bei der Öl- und Gasförderung ausgesetzt. Im Landkreis Harburg sind wir besorgt über den Schutz der eiszeitlichen Rinnen, die unser hochwertiges Trinkwasser speichern und bei jeder Bohrung durchlöchert werden. Welche Maßnahmen zum Wasserschutz und dessen Monitoring planen Sie bei Ihren Aktivitäten?
  • Wie begründen Sie angesichts der spätestens seit Paris regierungsamtlichen Zielsetzung einer klimaschonenden Energiewende die weitere Förderung fossiler Energieträger – und wie gehen Sie mit der moralischen und finanziellen Verantwortung um für Schäden an Gebäuden, Grund und Boden, Wasser und Luft sowie der Gesundheit der Bevölkerung?

Mehrere Versuche anderer Firmen, im Norddeutschen Raum seismologische Untersuchungen durchzuführen, scheiterten am Widerstand der Bevölkerung und der Kommunen. Auch im Landkreis Harburg haben sowohl der Kreistag als auch kommunale Räte Beschlüsse gefasst, dass der Aufsuchungsfirma das Betreten öffentlicher Liegenschaften nicht erlaubt werde. Auf mehr als einem Dutzend Informationsveranstaltungen der BI, an denen seit 2013 jeweils zwischen vierzig und einhundertzwanzig Bürger teilgenommen haben, wurde die Ablehnung weiterer Ölförderung im Landkreis sowie die Skepsis gegenüber den bereits bestehenden Förderanlagen der Firma Engie deutlich. Mehr als 10.000 Bürger des Landkreises Harburg haben sich auf der Unterschriftenliste der BI gegen Fracking und fossile Energieträger ausgesprochen und eine Energiewende gefordert.  Wir haben das in unseren Gesprächen mit dem Landesbergamt und dem niedersächsischen Wirtschaftsminister sowie den zuständigen Bundestagsabgeordneten immer wieder nachdrücklich vorgebracht.  Gern würden wir Ihre Haltung dazu kennen lernen.

Zu einem zeitnahen Gespräch mit Vertretern Ihrer Firma sind wir jederzeit gern bereit. Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass wir uns der Transparenz verpflichtet haben und alle unsere Informationen der Bevölkerung zur Kenntnis geben.

Mit freundlichen Grüßen

für den Sprecherrat der BI

Die Firma Blue Mountain Exploration LLC alias Kimmeridge Energy alias Kimmeridge GmbH hatte sich zunächst ein Jahr lang geweigert, das Arbeitsprogramm (Grundlage der Lizenzerteilung) der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dann war nur eine überaus verstümmelte, weitgehend geschwärzte Fassung veröffentlicht worden. Darin standen einige wenige Hinweise auf geplante Schritte, die durchweg so nicht eingehalten wurden. Die Firma hatte im Arbeitsprogramm Versprechen z.B. bezüglich der Information der Bevölkerung gegeben, die überwiegend gebrochen wurden. Man kann ja nicht automatisch davon ausgehen, dass sich alle Firmen genauso unseriös verhalten. Es müssten nun aber von seiten der RDG Niedersachsen handfeste Gründe angeführt werden, um das zunehmend gewachsene Misstrauen gegenüber Ölfirmen zu verändern.

(Ingo Engelmann)

Besucht LBEG-Präsident Sikorski die BI „Kein Fracking in der Heide“?

Der Präsident des Landesbergamtes, Andreas Sikorski, plant auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Svenja Stadler einen Informationsabend im Landkreis Harburg durchzuführen. Dieser könnte Mitte März stattfinden. Bei dieser Gelegenheit, so díe Idee von Herrn Sikorski, könnte mit Vertretern der BI „Kein Fracking in der Heide“ ein orientierendes Fachgespräch „vor Ort“ durchgeführt werden. Die BI hat vorgeschlagen, sich am Betriebsplatz der Ölförderfirma Engie in Beckedorf zu treffen und ggf. dort eine Begehung vorzunehmen (darum müssten sich SPD oder LBEG kümmern).

Als Themen hat die BI vorgeschlagen:

  • Technische Sicherung der Bohrplätze Engie im Feld Sinstorf wie vor Ort zu besichtigen (Befestigung mit Schotter? Asphalt?), Abfackelung (Dauerabfackelung? Anzahl der Fackeln? Grund?)
  • Besitzübergang Kimmeridge GmbH an die RDG Niedersachsen (finanzielle und fachliche Kompetenz, Arbeitsprogramm, evtl. Betriebsplananträge)
  • Bergschäden, Datenüberblick Bodenbewegungen: Werden hochauflösende Störungskarten (1:25.000 oder höher) gefertigt? Werden Höhenzeitfolgedaten gesammelt (Zeitraum z.B. 60 Jahre)? Werden entsprechende Daten offengelegt und z.B. im Grubenbild geführt (s. Markscheider-Bergverordnung)? Genehmigt das LBEG Anlagen ohne Nachweis vorheriger Höhenmessungen (gibt es diesbezüglich Erlasse / Ausnahmegenehmigungen?)
  • Stand der Ermittlungen über Bohrschlammgruben und andere Altlasten aus dem Bohrlochbergbau im Landkreis Harburg (FM ÖBSG und andere)

Mit Spannung erwartet die BI, ob es zu dem Treffen kommen wird. Vorangegangene Gespräche mit Herrn Sikorski waren nicht immer zufriedenstellend verlaufen – es hatte mancher klärender Telefongespräche im Anschluss bedurft. Andererseits begrüßt die BI, das das LBEG sich dem Gespräch mit der Bevölkerung offener zu zeigen beginnt, das war früher nicht üblich (da kam das LBEG ausschließlich, wenn der Landkreis Fragen hatte).

Zu den einzelnen Fragekomplexen gibt es jeweils mehr oder weniger komplexe Hintergründe. Die Firma Engie war in der Vergangenheit durch Störfälle mit Lagerstättenwasser oder offenstehendem und ungesichertem Betriebplatz in Seevetal-Beckedorf aufgefallen, auch durch t.T. ungeeinigte Rohre, die ungeschützt gelagert wurden. Unklar ist die Abfackelungspraxis der Firma – dabei entweichten höchst klimaschädliche Gase in die Atmosphäre, und Gesundheitsgefahren werden untersucht.

Ob die Aufsuchungs- und Förderfirma RDG das Arbeitsprogramm der Kimmeridge GmbH, die sie aufgekauft hatte, fortsetzt oder andere Pläne hat, weiß niemand. Die BI wird sich diesbezüglich mit RDG in Verbindung setzen. Im Kimmeridge-Arbeitsplan war für das Jahr 2016 schon eine Probebohrung vorgesehen, 2017 sollte es eine Horizontalbohrung geben (ob mit Fracking oder ohne, ist unbekannt). Dieser Arbeitsplan hinkt allerdings schwer hinter der Zeit hinterher. Hat das LBEG ausreichend Einblick?

Über die Rolle der Dokumentation von Bodenbewegungen und Höhenmessungen hatten wir kürzlich berichtet (zuletzt  15.2.17). Die BI erhofft sich Aussagen des LBEG darüber, ob es hier einen (firmenfreundlichen) Sonderweg in Niedersachsen gibt und weiter geben wird, oder ob die Interessen der Bürger in Bergschadensfällen künftig angemessen berücksichtig werden sollen.

Das Land Niedersachsen hat ein Förderprogramm zur Untersuchung von Bohrschlammgruben als Altlasten aus der Erdöl- und Gasförderung der letzten Jahrzehnte aufgelegt. Im Landkreis Harburg sind drei von zehn Verdachtsflächen in  das Untersuchungsprogramm des Landes aufgenommen („Fördermaßnahmen Ölbohrschlammgruben“ FM ÖBSG), sieben weitere schlummern ungestört weiter. Ob es schon Ergebnisse des seit 2014 laufenden Arbeitsprogramms gibt, ist nicht bekannt.

Es gäbe also ausereichend Stoff für ein Gespräch. Mal sehen, was kommt.

(Ingo Engelmann)