RDG versucht es mit Worthülsen

Die Erdölaufsuchungsfirma RDG hat auf den Brief der BI „Kein Fracking in der Heide“ reagiert. Ihr Brief wird hier ausdrücklich nicht als „Antwort“ bezeichnet, weil keine der in unsererm Brief gestellten Fragen von der RDG beantwortet wurde. Was breitet RDG auf drei Seiten aus?

Erstens: Der erfreuliche Teil

„Wir können Ihnen mitteilen, dass wir ihren Vereinszweck voll und ganz unterstützen: Bei den Projekten der RDG wird kein Fracking zum Einsatz kommen“, schreibt der Geschäftsführer. Und später noch einmal: „Hydraulic Fracturing – das sogenannte Fracking – kommt bei der RDG grundsätzlich nicht zum Einsatz“.

Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Firma RDG auf Risikotechnik verzichten will. Dass unsere BI kein Verein mit Satzung und Zweckbindung ist, wird RDG noch verstehen. Es bleiben aber viele Fragen offen, denn RDG gibt keine Hinweise darauf, wie sie das machen werden und wie sie im Einzelnen vorgehen wollen. Und damit kommen wir schon schnell zum unerfreulichen Teil:

Zweitens: Der unerfreuliche Teil

Der RDG-Geschäftsführer schreibt, die Firma könne „als Hochtechnologie-Unternehmen auch kleinere Lagerstätten wirtschaftlich erschließen“. Dabei ziele sie sowohl auf die Wiedererschließung ehemals unwirtschaftlicher Ölfelder wie auch auf die Suche nach neuen Lagerstätten. Wie aber sieht das konkret aus? Wenn eine Bohrung nicht mehr ergiebig war, muss man heute etwas Anderes, Neues einsetzen, um sie wieder zum Sprudeln zu bringen. Das kann mit heißem Wasserdampf oder Gasen geschehen, mit verschiedenen Chemikalien, mit Druck oder mechanischen Mitteln. Oder eben mit Fracking, was RDG ja aber ausschließt. Unerfreulich ist der verschwommene und vernebelte Ausblick auf das, was RDG vorhat: Was unternimmt ein Hochtechnologie-Unternehmen, um Wirtschaftlichkeit herzustellen? Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Drittens: Ungedeckte Wechsel auf die Zukunft

RDG rühmt sich, mit seinem Konzept Teil der Energiewende zu sein: Wiedererschließung von Ölquellen – und Weiternutzung der Bohrungen als Geothermie-Anlagen, wenn Öl-Förderung wirtschaftlich nicht weiter möglich ist. Es handelt sich bei den Bohrlöchern um eine Tiefe von 1000 oder 2000 Meter, also Tiefengeothermie. Bisher ist in Deutschland eine Nutzung von Geothermie für Heizzwecke nur mit flachen Bohrungen (meist unter einhundert Meter tief) erfolgreich. Das läuft ganz gut. Tiefengeothermie hingegen ist wenig mehr als eine theoretische Möglichkeit. Die praktischen Hindernisse sind bisher nicht überwindbar.

  •  Vor fünf Jahren beendete die BGR (Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe) in Hannover ihr Vorzeigeprojekt GeneSys: Mit einer tiefengeothermischen Anlage sollten die Büroräume von BGR, Landesbergamt und Leipniz-Institut beheizt werden. Das groß angekündigte Projekt wurde zunächst bejubelt (wir sind in 4000 Meter Tiefe angekommen!), dann wurden Probleme berichtet (Rohre verstopfen durch unerwartet hohe Versalzung des Hitze-Transport-Mediums Wasser), dann wurde es eingestellt.
  • Die Internationale Bauausstellung in Hamburg wurde zum Anlass genommen, in Wilhelmsburg Tiefengeothermie zu installieren. Eine Firma wurde gegründet und nach Abschluss der IBA dann zur Hälfte vom Land Hamburg übernommen (Hamburg Energie). Seit den ersten deismischen Untersuchungen 2010 hörte man in den letzten Jahren nichts mehr von dem Projekt. Im Haushalt der Hamburg Energie ist es eine Art durchlaufender Posten mit zuletzt 9.000 € Verlust im Jahr, das lässt sich verschmerzen…
  • In Allermöhe hat eine Probebohrung vor fast zwanzig Jahren ergeben, dass die Erdschichten zu stark zementiert waren, so dass eine tiefengeothermische Nutzung nicht möglich war.
  • Eine Anlage in Mecklenburg-Vorpommern (Neustadt Glewe) produzierte neben der Heizleistung für 1300 Haushalte auch Elektrizität aus geothermischen Quellen, aber dieses Klein-Kraftwerk wurde nach technischem Defekt 2010 stillgelegt.

Es bleibt das Fazit: Tiefengeothermie ist bis dato keine tragfähige Grundlage für ein Unternehmenskonzept. Hier im Schreiben der RDG finden wir lediglich die Worthülse „Lagerstätten-Veredelung“ für die fiktive Weiternutzung von Förderebohrungen für Geothermie. Womit will uns RDG überzeugen, womit kann die Firma überzeugen?

Viertens: Die offenen Fragen

Wir hatten nach dem Arbeitsplan gefragt, den jede Firma beim Landesbergamt (LBEG) vorlegen muss, um Erdöl aufsuchen zu dürfen. Kimmeridge als Vorgänger der RDG hatte uns den Einblick in den Arbeitsplan weitgehend verweigert und unserer BI nur wenige ungeschwärzte Zeilen zugänglich gemacht. RDG hat unsere Frage nicht beantwortet, sie nicht einmal erwähnt. Wir wollten etwas über die Planungen seismischer Untersuchungen wissen, erfahren darüber aber ebenfalls nichts. Wir hatten nach dem Schutz der eiszeitlichen Rinnen gefragt, aus denen der Landkreis Harburg sein gutes Trinkwasser bezieht. Jede Bohrung in der Region durchbohrt die eiszeitlichen Rinnen, die in einhundrt bis vierhundert Metern Tiefe verlaufen, und Leckagen am Bohrgestänge drohen das Trinkwasser in Mitleidenschaft zu ziehen. RDG bezieht auch zu diesem Punkt mit keinem Wort Stellung. Die Fragen nach Monitoring-Konzepten für den Wasserhaushalt (die für jede Fördertätigkeit gefordert wird) übergeht RDG.

Statt dessen liefern sie uns rhetorische Gelenkigkeitsübungen. Wirtschaft und Politik weisen seit einiger Zeit gebetsmühlenartig darauf hin, in Niedersdachsen sei seit den sechziger Jahren über dreihundert Mal gefrackt worden, und es habe gar nicht wehgetan. Dabei wird zwar verschwiegen, dass das „Superfracking“ mit Einsatz viel größerer Chemikalienmengen und -arten eine Entwicklung der letzten fünfzehn Jahre ist und qualitativ auch durch die Kombination mit den horizontalen Umlenkungen der Bohrungen eine neue Stufe erreicht wurde. Frühere Fracks waren eher ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem Wumms, der da heute drin ist. Aber nun schwenkt RDG da ganz um und sagt: Kein Fracking! – ohne aber zu verraten, was stattdessen passieren wird. Denn födern wollen sie ja. Wir fanden immer plausibel, dass man am ehesten Schlimmeres verhütet, wenn man Gas- und Ölförderung in unserem Land einstellt.

RDG versucht, dem Erdöl ein neues Image zu verschaffen: Es werde benötigt, um die Energiewende voranzutreiben. Für die Produktion von Windrädern brauche man viel Erdöl. Auch Smartphones bestünden zu einem bedeutsamen Anteil aus Erdölprodukten. Unser Vorschlag: RDG könnte sich ja der Entwicklung von Alternativen zum Plastikzeitalter zuwenden. Das wäre zumindest nicht relitätsferner als die Geothermie-Träume.

Auf, auf zum Dialog!

RDG betont die Bedeutung des „Bürgerdialogs“: Er stünde „im Mittelpunkt“ (!) ihrer Aktivitäten. Da ist noch deutlich Luft nach oben. Dieser Brief ist noch kein wirkliches Beispiel für einen funktionierenden Dialog. Wir erhalten unser Angebot eines zeitnahmen Gesprächs aufrecht (darauf war RDG in dem Brief auch gar nicht eingegangen). Aus Bayern konnte man Nachrichten darüber lesen, wie rüde RDG-Seismik-Trupps mit Grundstückseigentümern umgehen, die ihnen den Zutritt zu ihrem Grund und Boden verwehren wollen. Das machte wenig Hoffnung. Aber man kann auch Nachrichten lesen über Tage der Offenen Tür auf dem Bohrplatz in Ampfing, und über eine Informationsveranstaltung mit Firmenvertretern. Eine vergleichweise informative Web-Seite wurde extra für das Projekt Ampfing eingerichtet. Das sind positive Ansätze. Wir sind gespannt, wie sich das hier im Landkreis Harburg entwickelt.

Brief RDG 7.3.17

(Ingo Engelmann)

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