Südwestniedersachsen: DEA richtet wohl umfangreichsten Grundwasserschaden der Erdölfördergeschichte an

Der größte deutsche Erdölförderer Wintershall DEA hat auf einer Bohranlage für Erdöl in Emlichheim (Grafschaft Bentheim) einen der vermutlich umfassendsten Grundwasserschäden in der Geschichte der deutschen Ölförderung verursacht. Über einen langen Zeitraum gelangten hoch saline Lagerstättenwässer aus der Erdölproduktion in unbelastetes Grundwasser. Die Menge des zwischen Januar 2014 und Oktober 2018 aus einem Leck in einem Einpressbohrrohr („Em132“) im Erdreich versickerten Lagerstättenwassers beträgt nach vorläufigen Angaben zwischen 140.000 bis 220.000 Kubikmeter Lagerstättenwasser.

Um sich das Ausmaß zu vergegenwärtigen, stelle man sich vor, dass im Minimum eine Strecke von Hannover bis Hildesheim mit Tanklastkraftwagen (TKW) von 54 m³ Fassungsvermögen gefüllt mit diesem Lagerstättenwässer aneinandergereiht wären. Nimmt man den „worst case“ von ausgelaufenen 220000 m³ an, so bilden TKWs einen Stau von Hannover bis Braunschweig.

Vor dem Hintergrund, dass der Salzgehalt des Lagerstättenwasser zwischen 20 und 30 % beträgt , was 200 bis 300 Gramm Salz je Liter entspricht, hingegen unbelastetes Grundwasser nur einen Salzgehalt zwischen 20 und 30 Milligramm je Liter hat, also ca. 10.000 mal weniger als das Lagerstättenwasser, so kommt man zu folgender überschlägigen Berechnung:

Sollte sich das Lagerstättenwasser komplett mit dem Grundwasser vermischen, wären ca.140 bis 220 Mio. m3 unbelastetes Grundwasser versalzen. Für Trinkwasserförderung und Feldberegnung ist das versalzene Grundwasser nicht mehr nutzbar.

Das Niedersächsische Wirtschaftsministerium hat landesweit die Überprüfung aller aktiven Einpressbohrungen angeordnet. Sehr kurzfristig, bis zum 5. August, sind die Erdöl- und Erdgasproduzenten aufgefordert, Informationen zu ihren Anlagen liefern, so das Ministerium am 31.7.2019. Die Behörde fordert auf, Rückmeldungen zu den verwendeten Werkstoffen für Bohrrohre, bisherigen und zukünftigen Überwachungsmaßnahmen und Maßnahmen zur Verhinderung von Korrosion bei den rund 220 Einpressbohrungen in Niedersachsen beizubringen2. Wie steht es um die Werkstoffe der Rohrleitungen der aktiven Verpressbohrungen und die Gefahr von Korrosion, die Überwachungsmaßnahmen und Auswirkungen bei uns im Kreis Harburg?

In der Gemeinde Seevetal, in Beckedorf und Fleestedt fördert die Förderfirma Neptune Energy Deutschland GmbH Erdöl. Das separierte Lagerstättenwasser wird in Leitungen in die aktive Verpressbohrung am Eichheister eingepresst. Das ist 200 m hinter der Landesgrenze in Hamburg Sinstorf, nahe zur Wohnbebauung der Gemeinde Seevetal. Die zuführenden Leitungen vom Betriebsplatz im Postweg in Beckedorf, Seevetal, verlaufen in wenigen hundert Meter Entfernung von den Trinkwasservorranggebieten Bostelbek (Hamburg) und Woxdorf (Seevetal) zur Verpressbohrung in Harburg.

Wurde das Leitungssystem nach den Schäden an den Leitungen für Lagerstättenwasser 2016 in Beckedorf umfassend geprüft? Ist alles in Ordnung? Wir erwarten zeitnah Informationen der Überprüfung durch das Niedersächsische Wirtschaftsministerium mit Ungeduld und Besorgnis.

Renate Maaß, Mitglied des Sprecherrates

BI Kein Fracking in der Heide

 

https://www.mw.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/nach-austritt-von-grossen-mengen-lagerstattenwasser-ministerium-ordnet-uberprufung-aller-einpressbohrungen-in-niedersachsen-an-179273.html

https://www.mw.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/lagerstattenwasser-bei-einpressbohrung-im-landkreis-grafschaft-bentheim-ausgetreten-179234.html

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Lagerstättenwasser-Austritt Emlichheim 132 - Die Skandalisierung | Erdöl und Erdgas in Deutschland

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.